top of styria 2022

top of styria 2022 10 top of styria im Wirtschaftsgespräch Fotos: Schiffer Was einen guten Standort ausmacht Was macht einen guten Standort überhaupt aus? Eibinger-Miedl: In dieser Gesprächsrunde wird das natürlich je nach Branche und Region ein wenig unterschiedlich sein. Was aber sicher alle eint: Man braucht am Standort ausreichend qualifizierte und motivierte Fach- und Arbeitskräfte sowie eine gute Infrastruktur und Anbindung – nicht nur puncto Verkehr, sondern zunehmend auch Glasfaserinfrastruktur. Hohensinner: Die Arbeitskräfteverfügbarkeit ist sehr wichtig. Wir bei Frutura merken, dass die regionale Nähe zu Ungarn bei der Arbeitskräfteverfügbarkeit sehr hilft. Und: Gott sei Dank hat unsere Gemeinde schon Glasfaser​infrastruktur, das ist für uns extrem wichtig. Auch Verfahrenssicherheit und -geschwindigkeit sind große Themen. Gerstenmayer: Ich denke, eine Überschrift lautet: Wettbewerbsfähigkeit. Sie definiert sich über Mitarbeiter, Infrastruktur, aber auch über das Verständnis, wie sehr ein Standort mit anderen Standorten konkurriert. Wie sehr ist ein Klima geschaffen, sodass man in einen Standort investiert? Wir benchmarken uns hierzulande zu wenig gegenüber internationalen Standorten. Ist die Infrastruktur so vorbereitet, wie ich sie üblicherweise an anderen Standorten vorfinde – oder ist eine Investition am Ende eher als Regionalentwicklungsprogramm zu betrachten? Und das Thema Finanzen ist wichtig: Kann man eine größere Investitionmit den Ressourcen der Region finanzieren? Zotter: Zotter hat seinen Standort einfach, weil der Bauernhof meiner Großeltern verfügbar war. Insofern haben wir uns nicht vorher überlegt, ob die Infrastruktur in Ordnung ist. Die meisten unserer Mitarbeiter sind jahrelang bei uns, mittlerweile auch ganze Familien. Dafür dass wir weitere anziehen können, ist vor allem die soziale Infrastruktur wichtig – also Kinderbetreuung, denn wir haben ein junges Team. Wenn Kinder unterwegs sind, dauert es, bis Mütter, die vorher oft wichtige Positionen hatten, wieder ins Unternehmen kommen können, weil die Kinderbetreuungsinfrastruktur noch schwierig ist. Wenn Kinder in die Schule fahren müssen, tut man sich schwer, den Standort jungen Leuten nahezubringen. Oder: Wir haben das schnellste Internet bei uns in der Gegend – bei uns im Betrieb ist also alles bestens. Während der Quarantäne, als wir unsere Mitarbeiter so weit wie möglich auseinandertreiben mussten, haben die meisten daheim aber nicht genug Internet-Anbindungsmöglichkeiten gehabt, um überhaupt im Homeoffice arbeiten zu können. Bei uns sind auch Bauvorhaben immer herausfordernd, weil wir im Hügelland in einem Gebiet sind, das nicht unbedingt typisch für die Industrie ist. Wir sind aber kein Unternehmen, das leicht abwandern kann. Daher müssen wir uns dem stellen. Eibinger-Miedl: Daszeigtgut,dass Regionalentwicklung und Wirtschaftsentwicklung untrennbar miteinander verbunden sind. Bei der Kinderbetreuung hat die Kommune, die Region sehr viele Aufgaben zu bewältigen. Beim Glasfaserausbau haben wir nun zusammenmit der landeseigenen Gesellschaft Infrastrukturen errichtet, weil es auch Marktversagen gegeben hat. Man kann diese Bereiche wirklich nicht trennen. Wenn man sich global messen muss, kommen weitere Aspekte ins Spiel: Wir waren kürzlich mit einer großen Wirtschaftsdelegation in Vietnam. Dort herrscht eine große Aufbruchsstimmung, eine hohe Motivation. Dann kommt man zurück und hat im eigenen Land mit sehr starker Regulierung zu tun. Mit Mitarbeiter*innen, die gerne Teilzeit arbeiten möchten, auch wenn sie keine Betreuungspflichten haben. Man findet ein völlig anderes Mindset vor – nicht nur in der Steiermark, sondern in ganz Europa. Da macht man sich schon Gedanken, wie wir die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft aufrechterhalten können. Ich schließe die Frage an: Wo ist die Steiermark gut, wo muss sie besser werden? Gerstenmayer: Wir haben in der Steiermark große Stärken in der Forschung und der universitären Forschung. Wir haben die sogenannte Ingenieurtradition, die auch sehr gepflegt wird und die man nicht innerhalb kürzester Zeit durch Masse egalisieren kann. Dennoch denke ich, dass man das noch viel „Ist die Infrastruktur so vorbereitet, wie ich sie üblicherweise an anderen Standorten vorfinde – oder ist eine Investition am Ende eher ein Regionalentwicklungsprogramm?“ Andreas Gerstenmayer Katrin Hohensinner (Frutura), Julia Zotter (Zotter Schokoladen), Andreas Gerstenmayer (AT&S) im Gespräch mit Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl KLARTEXT

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