top of styria 2022

top of styria 11 2022 stärker entwickeln und pflegen muss. Diesen Schatz würdigen wir noch viel zu wenig. Zweitens: Über Jahrzehnte ist es hier gelungen, den Mikroelektronikcluster auf der Südachse zu etablieren. Mit dem Silicon Alps Cluster als Kumulationspunkt haben wir sicher einen Weg eingeschlagen, der diese Zukunftstechnologie weiter voranbringen wird. Wo wir besser werden müssen: Wir müssen europäisch viel sichtbarer werden. Wir können die Steiermark nicht von Österreich, vom Bund, von Europa trennen. Und wir müssen die Programme, um Schlüsseltechnologien weiter nach vorne zu bringen, noch viel aktiver nutzen. Da sind wir noch viel zu zögerlich, langsam, zerklüftet. Wir müssen eruieren, was die drei bis fünf Fokusthemen sind, die wir wirklich nach vorne bringen und in die wir wirklich die Kraft und unsere Ressourcen setzen wollen. Zotter: Zotter hat eher eine touristische Perspektive. Wir sind – glaube ich – in der dichtest besiedelten Gourmetregion von Österreich. Nirgendwo sonst gibt es so viele klein strukturierte Betriebe, die etwas Gutes anbieten. Das ist bei uns die große Stärke. Im Hügelland kann man nicht viel anbauen oder ansiedeln, außer im Raabtal. Insofern macht das unsere Ecke in der Steiermark ganz gut. Gerade bei uns muss diese Kleinstrukturiertheit auch sein – Landwirtschaft-Direktanbieter usw. –, um das weiter zu erhalten. Der klein strukturierte Aufbau hat auch einen gewissen Charme. Deshalb haben wir so viele Besucher. Auch die Logistik funktioniert bei uns recht gut. Was noch fehlt: Momentan ist noch jeder selbst mit dem Auto unterwegs. Das ist natürlich für die Verkehrssituation in der ganzen Region ungünstig. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist für uns – nicht für die Mitarbeiter, aber für die Besucher – noch ein großes Thema. Was man auch noch besser machen könnte: kleine und mittlere Betriebe gut zu fördern, spannende Unternehmen, die etwas Interessantes bieten, gut zu unterstützen, damit das in der Region weiter ausgebaut werden kann. Hohensinner: Aus dem Bodenschatz Geothermie könnte man in der Steiermark auch noch mehr machen – vor allem in Zeiten wie diesen, wo man plötzlich mit einer Extremenergiekrise konfrontiert ist. Heißes Thermalwasser steht ganzjährig zur Verfügung – genügend Wind oder Sonne nicht. Die Steiermark ist eines der Bundesländer mit den größten Thermalwasservorkommen. Das kann zukünftig eine Wirtschaftsstärke im Energiesektor bringen. Und ja, ich finde auch, man kann die Steiermark nicht ganz vom Bund trennen: Im Gartenbau zum Beispiel hat jedes Bundesland einen eigenen KV, sodass ich plötzlich preislich mit anderen Bundesländern konkurriere. Da wäre es sinnvoll, wenn wir österreichweit eine Vorgehensweise hätten. Bundesländer-Lösungen gibt es bei einigen Kollektivverträgen – das ist schwierig. Eibinger-Miedl: Ich möchte noch unterstreichen, dass wir im Bereich Wissenschaft und Forschung wirklich ein gutes Ökosystem geschaffen haben und gleichzeitig bei Gewerbe und Handwerk auch gut aufgestellt sind. Das ist eine absolute Stärke der Steiermark. Wir sind insgesamt ein attraktiver Standort, der international vernetzt ist, hohe Lebensqualität und Sicherheit bietet. Ich glaube aber auch, dass wir uns beim Standortmarketing noch viel besser positionieren müssen, die Steiermark insgesamt als Innovationsstandort und guten Ort zum Leben und Arbeiten präsentieren müssen. Gerstenmayer: Es ist wichtig, die für Investitionen ungemein zerklüfteten Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse zu optimieren. Wie schaffen wir Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse für jemanden von außen, der diese Struktur nicht gut kennt? Das ist derzeit wirklich ein Nachteil, nicht nur einer der Steiermark, sondern ganz Österreichs. Es geht um die Straffung von Verfahren und Genehmigungsprozessen. Und das sind zum Teil auch Landesthemen, Baurecht, Wasserrecht ... Eibinger-Miedl: D´accord! Wir sehen aus dem Wirtschaftsressort heraus auch die Notwendigkeit, hier besser zu werden. Was wir in unserem Bereich tun können, ändern wir gerade. Wir haben einer­ „Ich glaube aber auch, dass wir uns im Bereich des Standortmarketings noch viel besser positionieren müssen.“ Barbara EIBINGER-MIEDL „Während der Quarantäne, als wir unsere Mitarbeiter so weit wie möglich auseinandertreiben mussten, haben die meisten nicht genug Internet-Anbindungsmöglichkeiten zu Hause gehabt, um überhaupt im Homeoffice arbeiten zu können.“ Julia ZOTTER KLARTEXT

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