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top of styria 2022 12 KLARTEXT seits ein Verfahrensservice bzw. eine Verfahrenskoordination für große Investoren eingerichtet. Wir bauen auch gerade die Steirische Wirtschaftsförderung SFG um und definieren sie nicht nur als Förderungs-, sondern auch als Standortentwicklungsgesellschaft mit einem schlagkräftigen Team, das dieses Thema ganzheitlicher sieht und dann auch für Investoren zur Verfügung steht. Aber es gibt auch jetzt bereits große Ansiedelungen von außen. Zum Beispiel ist es gelungen, die Firma SGS – einen 100.000-MitarbeiterKonzern – mit einem globalen Headquarter in die Steiermark zu bekommen. In Murau hat sich jetzt auch Planlicht angesiedelt, gleichsam auf der grünen Wiese. Zotter: Vor allem für Produktionsbetriebe mit mehreren hundert oder tausend Mitarbeitern ist schon die Frage, wo man die überhaupt herbekommt. Vielleicht in der Nähe von Graz. Aber bei uns? Nice shops ist so ein Beispiel, die sind ja quasi ein SiliconValley-Unternehmen, und ich glaube, die tun sich schon ein bisschen schwer, die Leute dazu zu bekommen, dass sie wirklich herziehen wollen. Hohensinner: Wenn man größere Standorte bauen möchte, gibt es sofort Widerstand aus der Bevölkerung – auch wenn die Verfahren alle rechtens sind. Die Einspruchsmöglichkeiten sind massiv. Aktuell ist es das, was Verfahren extrem verzögern kann. Das ist manchmal einfachWillkür von Menschen, die sagen, sie möchten jetzt etwas ganz einfach nicht. Eibinger-Miedl: Es ist definitiv so, dass kein größeres Projekt mehr ohne entsprechende Bürgerinitiative hochgezogen werden kann ... Hohensinner: ... egal, was das Unternehmen macht. Eibinger-Miedl: Weil jetzt auch von großen Ansiedelungen von Produktionsbetrieben die Rede war: Das gilt auch für den Wohnbau. Alles, was derzeit mit irgendeiner Neuversiegelung von Boden zu tun hat, ist ganz schwierig. Hohensinner: Was ich mich öfter frage: Kann man nicht zum Beispiel den Umbau alter Häuser oder Liegenschaften fördern, sodass das attraktiver wird? Anstatt einer Flächenversiegelung … Wenn man fördert, dass jemand einen alten Standort, der schon brachliegt, umbaut, statt ein neues Gebäude zu errichten. Es gibt ja auch sehr viel Leerstand … Eibinger-Miedl: Das wird stark diskutiert. Ich habe daher vor 3–4 Monaten einen Ortskernkoordinator auf Landesebene ins Leben gerufen, der die Gemeinden begleitet. Er hat unter anderem die Aufgabe, ressortübergreifend zu schauen, wie man gemeinsam mit den Gemeinden diese Leerstände bearbeiten kann. Denn es gibt Förderprogramme – etwa im Wohnbauressort eine Förderung für Reaktivierung von Leerstand. Da ist gerade etwas Neues im Entstehen. Hohensinner: Wir haben jetzt wieder ein altes Gebäude umgebaut. Ehrlich: Neubau ist lustiger. Man plant alles, wie man es möchte, braucht auf nichts Rücksicht zu nehmen … Eibinger-Miedl: Wir haben uns vorgenommen, diese Trendumkehr auf Landesseite herbeizuführen, weil die Entwicklung über Jahrzehnte eine andere war: Man hat vor den Dörfern, den Städten auf der grünen Wiese gebaut und der Ortskern wurde ausgetrocknet. Das zu ändern wird nicht innerhalb von 2–3 Jahren gelingen, aber wenn das wirklich in den Köpfen verankert ist und der Wille auf politischer Ebene da ist, kann es gelingen. Ich möchte noch ein naives Thema in den Raum stellen: Ist eine Standortentscheidung ausschließlich rational oder gibt es da auch eine emotionale Ebene? Lachen Zotter: An unserem Standort ist definitiv nichts rational! Wenn wir in den Hügel bauen, sind die Baukosten allein dadurch schon wesentlich größer. Schön ist es bei uns. Und wir tun es, weil wir ein Tourismusbetrieb sind. Wir tun es für unsere Besucher. Wir würden uns viel leichter tun, einen Acker im Raabtal zu kaufen und dort auf ebener Fläche zu bauen. Wir überlegen zum Beispiel einen Umbau in zwei, drei Jahren, der unsere Produktions- bzw. Betriebsfläche verdoppeln kann. Das ist keine leichte Entscheidung, weil wir in einen Hügel hineinbauen. Für Besucher ist es super und unsere Mitarbeiter müssen nicht hin- und herfahren. Rational ist das aber definitiv nicht. Aber es ist eine Entscheidung, die für den Familienfrieden wichtig ist. Lachen Hohensinner: Wir haben in Hartl auch so etwas wie einen emotionalen Standort. Er hat vor 20 Jahren gut gepasst und wir haben uns auch bewusst entschieden, das Unternehmen dort weiterzuführen. Wenn man mit der jetzigen Größe draufblickt, wären wir besser näher an einer Autobahn. Für uns ist es mittlerweile aber ein emotional stark verbundener Standort, wo wir uns weiterentwickelt haben. Daher haben wir uns bewusst nicht für eine Absiedelung entschieden. Gerstenmayer: Was für uns rational oder emotional ist, hat auch mit einer gewissen Firmenhistorie zu tun. Man hat mit einem größeren Produktionsbetrieb ja auch eine gewisse Verantwortung – für Mitarbeiter und zum Teil auch für eine Region. Natürlich entscheidet man bei Neuinvestitionen deutlich rationaler. Aber es gibt auch bei uns ein Beispiel: Fehring ist sicher vom Standort her alles andere als optimal. Aber es gibt engagierte Mitarbeiter, die sich einbringen, und auch das ist ein Teil des Ganzen. Ein amerikanisches Unternehmen hätte Fehring wahrscheinlich schon lange zugesperrt. Wir wollen aber den Standort nicht nur aufrechterhalten, sondern werden ihn auf eine höhere Technologie upgraden, damit er attraktiver wird. Foto: Schiffer „Aus dem Bodenschatz Geothermie könnte man in der Steiermark auch noch mehr machen – vor allem in Zeiten wie diesen, wo man plötzlich mit einer Extremenergiekrise konfrontiert ist.“ Katrin HOHENSINNER

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