top of styria 2022

top of styria 13 2022 KLARTEXT Eibinger-Miedl: Ihre Beispiele zeigen die Vorteile der Steiermark: Unsere Wirtschaft ist gesund gewachsen. Die Unternehmen sind oft familiengeführt. Oft gibt es einen regionalen Bezug, ein Commitment der Eigentümer, ob bei Anton Paar, AVL, AT&S oder weiteren. Und wir sind keine Region, die internationale Investoren mit Fördergeldern heranlockt, die dann alles abgrasen und dann weiterziehen, wenn anderswo bessere Angebote locken. Was steht nun ganz oben auf der Agenda? Eibinger-Miedl: Weltweit nahezu die höchsten Lohnkosten zu haben, ist ohnehin herausfordernd. Nun kommen die nahezu höchsten Energiekosten hinzu. Das wird uns die nächsten Jahre massiv beschäftigen und leider auch die Wettbewerbsfähigkeit mindern. Deshalb muss uns wirklich ein kräftiger Schulterschluss gelingen, in Richtung auf erneuerbare Energie und Diversifizierung der Energiequellen. Das muss gelöst werden. Wir haben es jahrzehntelang geschafft, die hohen Lohnkosten durch einen hohen Technologisierungsgrad wettzumachen. Wenn jetzt noch weitere Faktoren dazukommen, wird es wirklich schwierig. Gerstenmayer: Wir müssen darauf achten, nicht im Krisenmanagement – ob COVID, Energie- und was weiters an Krisen kommt – komplett darauf zu vergessen, uns auf die Zukunft vorzubereiten. Das kommt mir persönlich momentan definitiv zu kurz. Auch das ist wiederum nicht auf die Steiermark bezogen, sondern auf den Bund. Sehen wir uns das Budget genauer an: Wo sind da die wirklichen Zukunftsthemen? Ich weiß schon, dass das alles schwierig ist. Aber man muss die Situation heute managen und darf dennoch die Zukunft nicht vergessen. Man ist mittel- und langfristig nur erfolgreich, wenn man das eine tut und das andere nicht lässt. Das heißt, man muss klare Prioritäten setzen. Zotter: Wir im Unternehmen haben nicht erwartet, dass die Energiekosten so raufgehen. Aber wir haben in den letzten Jahren bereits sehr viel in Solarenergie investiert, auch im Vergleich mit anderen Schokolade-Produktionen. Wir erzeugen jetzt 65 Prozent der Energie, die wir brauchen, selbst im Unternehmen. Ob das Strom ist oder Wärme, Hackschnitzelheizung mit regionalem Holz, Wärmerückgewinnung usw. Das haben wir gemacht, weil wir es selber wollten. Zumindest energiemäßig ist das für uns in Zukunft wesentlich kosteneffizienter als viel Strom zu verbrauchen oder die Energie einfach hinauszublasen. Das vielleicht auch bei vielen kleinen und mittleren Betrieben stärker anzutreiben, dass da mehr passiert, wäre gut. Hohensinner: Ich sehe es schon mit gewissen Bedenken, wenn man was Energiepreise betrifft in den freien Markt eingreift. Aber wenn die Kosten für die Unternehmen gar nicht mehr kalkulierbar sind, wie im August beim Strom, dann wird es schwierig. Diese Strompreise kann kein Unternehmen erwirtschaften. Hier wieder Planungssicherheit zu bekommen, wäre wichtig. Wie könnte man die Planungssicherheit herstellen? Zotter: Ich glaube, die EU ist immer noch die größte Volkswirtschaft der Welt. Wenn wir alle zusammenarbeiten würden ... Das ist vielleicht etwas, wo ganz Europa noch viel liegenlässt. Es ist sicher nicht einfach, aber wahrscheinlich der einzige Weg. Eibinger-Miedl: Die Zukunft kann nur gesamteuropäisch gesehen werden. Wir haben über Wettbewerbsfähigkeit gesprochen. Da können wir in der Steiermark als Bundesland tun, was wir wollen: Wenn wir das nicht in größeren Dimensionen denken, wird es nicht möglich sein. Die Steiermark versucht, sich als starke Stimme in Europa einzubringen, aber das ist oft das Bohren harter Bretter. Krisenbewältigung und Zukunftskonzepte müssen natürlich immer parallel bearbeitet werden. In der medialen Wahrnehmung war zwar die Krise im Vordergrund, das heißt aber nicht, dass das andere nicht auch passiert. Nur aus meinem Ressort gesprochen: Wir haben die zwei Krisenjahre genutzt und eine komplette Tourismus-Strukturreform durchgezogen, die Wirtschaftsstrategie 2030 erarbeitet sowie beschlossen und im Glasfaseraufbau wirklich enorm aufs Gaspedal gedrückt. Hohensinner: Krisen sind offenbar unser neues Dauerthema. Ich glaube, aus dem Teil-Krisenmodus kommen wir auch nicht so schnell heraus, vor allem wenn es medial so wie eben aktuell gehandhabt wird. Eibinger-Miedl: IV-Ökonom Helmenstein hat uns das letztens schön vor Augen geführt: Die Phase der letzten 10, 15 Jahre in Europa war ungewöhnlich, weil sie eben kaum Krisen hatte. Die Regel in der Geschichte waren immer kürzer aufeinander folgende Krisen. Dass wir jetzt eine derartige Anhäufung haben, ist aber auch etwas Besonderes. Bewältigen wir jetzt gemeinsam diese Ausnahmesituation. Was wir vorher hatten, war eigentlich ungewöhnlich.

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