top of styria 2022

20 top of styria 2022 Bild: Joanna Gleich STANDORT le Vielfalt bekannt gemacht und nicht erst seit dem Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2003 wird die steirische Landeshauptstadt für ihre zeitgenössische Architektur international beachtet. Damals wurden zahlreiche indirekte kulturelle Infrastrukturinvestitionen wie der Ausbau des Hauptbahnhofs und die Neugestaltung des Hauptplatzes geschaffen, aber vor allem die direkten Investitionen in die Neuerrichtung von Kulturbauten lassen sich nach wie vor sehen. Zwölf Bauprojekte wurden im Kulturhauptstadtjahr 2003 umgesetzt. So wurden unter anderem der Neubau der Helmut-List-Halle, das neugeschaffene Literaturhaus sowie das Kindermuseum in diesem Jahr realisiert. Das Kunsthaus Graz, auch liebevoll Friendly Alien genannt, war eines der ersten Projekte, welches ganz gezielt auf der rechten Muruferseite verwirklicht wurde. Dies stellte eine bewusste Entscheidung zur Standortstärkung durch kulturelles Angebot dar. Das Kunsthaus zählt neben dem Joanneumsviertel, dem Landeszeughaus, dem Museum für Geschichte, Schloss Eggenberg und dem Volkskundemuseum zu den sechs Standorten des Universalmuseums Joanneum innerhalb der Stadtgrenzen und fördert durch seine außergewöhnliche Architektur und tiefgreifenden Ausstellungen die Auseinandersetzung mit Kunst, Design und gesellschaftspolitischen Fragestellungen an sich. Kultur in den Regionen Die Steiermark ist mehr als ihre Städte. Auch in den Regionen zählen Kunst und Kultur zu den wichtigsten Maßnahmen, um einen Stand(-Ort) zu stärken. Das Universalmuseum Joanneum, Österreichs ältestes und zweitgrößtes Museum, trägt mit acht Institutionen außerhalb der Landeshauptstadt und Kunstwerken im öffentlichen Raum ebenfalls maßgeblich zur kulturellen Vielfalt und somit Stärkung der Regionen bei. Schloss Trautenfels, das Wahrzeichen des mittleren Ennstales am Fuße des Grimmings, steht für die Kultur- und Naturgeschichte des Bezirks Liezen. Seit der Gründung des Museums ist es zu einem Ort der aktiven Auseinandersetzung mit der Geschichte und zu einer Institution geworden, in der Vergangenes und Gegenwärtiges Platz findet, diskutiert, kritisch betrachtet, aufgearbeitet und bewahrt wird. Als Museum und Zukunftswerkstatt beleuchtet Schloss Trautenfels die Identität der Region Bezirk Liezen als etwas Dynamisches, als immerwährenden Prozess. Geografisch diametral gegenüber und somit am anderen Ende der Steiermark, jedoch ebenso fest in der Region verankert, liegt Schloss Stainz, welches das Landwirtschaftsmuseum und die Jagdkundliche Sammlung mit 5.800 Objekten – die größte ihrer Art in ganz Österreich – beherbergt. Bereits am 11. Oktober 1831 erkannte Erzherzog Johann, Stifter des Joanneums, die landschaftlichen Vorzüge von Schloss Stainz: „Eine herrliche Lage dieser Markt mit dem Stift! Ein breites fruchtbares Tal mit sanften Höhen begrenzt … Es läßt sich wenig Schöneres denken, wende wohin man wolle das Auge, überall der Garten.“ Geschichte und Identität eines Ortes Was macht einen Ort einzigartig? Man darf Erzherzog Johann zustimmen, wenn er von der traumhaften Kulisse spricht, welche die Steiermark zu bieten hat. Die Identität eines Ortes wird jedoch auch durch seine Geschichte geprägt. Dies sind nicht zuletzt jene Orte, an die Tourist*innen wie Einheimische immer wieder gerne zurückkommen; wie das RoseggerGeburtshaus, der Kluppeneggerhof auf 1.150 m Seehöhe, inmitten von grünen Wiesen und Wäldern. Hier verbrachte der „Waldbauernbub“ die ersten 17 Jahre seines Lebens. Die Menschen der Umgebung, seine eigenen und die Erlebnisse seiner Familie inspirierten ihn zu Geschichten und Gedichten, die er bereits in jungen Jahren aufzuzeichnen begann. Viele seiner bekanntesten Erzählungen handeln von Begebenheiten am und rund um den heimatlichen Hof, der bis heute nur zu Fuß erreichbar ist. Und der ursprünglich rein literarische Begriff „Waldheimat“ hat seinen Weg von Roseggers Texten längst in die kollektive Identität dieser Gegend und sogar in die Landkarten gefunden. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie vielschichtig sich künstlerisches Schaffen auf vielen Ebenen tief in das Leben und das Selbstbild einer Region einschreiben kann. Abschließend kann also die Frage nach der Definition eines Standortes auf viele Arten beantwortet werden. Jedenfalls ist er mehr als eine geografische Position auf der Erdoberfläche. Neben all den Standortfaktoren, wie beispielsweise Lage oder Infrastruktur, spielen Kulturinstitutionen eine wesentliche Rolle. Und jenseits ihres gesellschaftspolitischen Auftrages und jenseits ihres Bildungsauftrages sind sie ein relevanter Wirtschaftsfaktor. „11.600 im Kunst- und Kultursektor beschäftigte Personen in der Steiermark produzieren eine Wertschöpfung von 625 Millionen Euro.“

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