top of styria | 2017
58 top of styria 2017 Tradition macht Sinn – gera- de auch, wenn es um das Wohl von Leib&Seel geht – also beim Essen und Trinken. Aber zu ihr muss sich die Innovation gesel- len, damit viele Menschen in den Genuss ebenso köstlicher wie leistbarer Produkte kom- men. Die Obersteirische Mol- kerei (OM) verbindet beides – seit 1930 als klassische Ge- nossenschaft mit 3.000 Bau- ern, davon 1.500 Milchbauern, an ihren Standorten Knittel- feld, Kapfenberg und Spielberg. „Der Wandel ist ein Prozess, der sowohl die Molkereien als auch die Bauern ereilt“, weiß der Ge- schäftsführer von OM, Fried- rich Tiroch. „2007 etwa muss- ten die Bauern mit der Um- stellung auf gentechnikfreie Milch akzeptieren, dass ihnen das Futter für ihre Kühe vorge- schrieben wurde. Nur so konn- te aber der Wettbewerbsvorteil für österreichische GVO-Milch voll ausgespielt werden.“ Für die Molkerei selbst bedeutet Wandel Automatisierung: So wenden Käseschmierroboter schon seit langem die schwe- ren Käselaibe – das Hauptpro- dukt der OM – und schmieren sie ein. Experten sorgen da- für, dass exzellente neue Käse- sorten wie der „Erzherzog Jo- hann“ möglichst viele Genießer finden. Einen nicht zu unter- schätzenden Beitrag zum Spit- zenprodukt leisten die Käser. „Den Käser zeichnet nicht nur ein hoher Wissensstand rund um den Käse aus, sondern auch modernstes technologi- sches Know-how. Daher sind wir besonders stolz“, betont Ti- roch, „dass wir in unserem ei- genen Betrieb genügend Nach- wuchs für den Beruf des Mol- kereimeisters heranbilden.“ Erlebnis Milch Zum Publikumsmagneten hat sich die Milcherlebniswelt der OM gemausert. Nicht nur der Weg der Milch vom Euter auf den Bergen bis ins Kühlregal wird genau erklärt, sondern auch Verarbeitungsprozesse wie Separieren oder Pasteuri- sieren. Und natürlich von wel- chen Bergen genau die Milch kommt, welche Milchsorten es gibt und wie die Käse-Lecker- bissen im Detail hergestellt werden. Wussten Sie, dass bei der ESL-Milch keine Chemie dazukommt, sondern dass sie nach der Abtrennung der Mi- kroorganismen einfach stärker erhitzt wird als Frischmilch, aber nicht so hoch wie Halt- barmilch? Nein? Ab zur Milch- erlebniswelt nach Knittelfeld. Aufgezeichnet vonWalter Hoch www.oml.at Käseschmierroboter am Werk OBERSTEIRISCHE MOLKEREI E.GEN. www.brevillier-urban.com BREVILLIER URBAN & SACHS GMBH & CO KG Täglich achtmal bis auf den Glockner Würde man die Farbstift-Pro- duktion der Brevillier Urban & Sachs GmbH übereinanderle- gen, könnte man damit täglich 8-mal ab Meeresniveau den Glockner „besteigen“. Pro Jahr erzeugt das Grazer Werk mehr als 40 Millionen Stifte – von Zi- tronengelb bis Lavendel. Das Vorläuferunternehmen des heutigen Unternehmens be- gann 1863 mit der Bleistift- produktion, kurz darauf mit Buntstiften. Die renommierte Farbstiftmarke „Jolly“ wurde schließlich 1965 kreiert. „Zu- nächst hat man dafür natür- liche Farbpigmente verwen- det, später künstliche, anorga nische – und seit 2000 setzen wir ausschließlich organische Pigmente ein“, beschreibt Pro- duktionsleiter Walter Rabitsch die Entwicklung. „Sie entspre- chen dem Verbraucherschutz besser, sind farbstärker und stabiler in ihren Eigenschaf- ten.“ Blei, Chrom und Vana- dium in Kinderhänden (und -mündern) sind somit passé. Gut gereift Für die Mine wird Kaolin (weiße Tonerde) mit Farbpig- ment, Wachs sowie einem Zel- lulosederivat verknetet „wie Keksteig“. Das Gemisch wird durch ein Loch in Minenstärke gepresst und der Endlosfaden in Stiftlänge geschnitten, bevor die Mine 14 Tage „nachreift“. Für die Hülle werden Linden- holzbrettchen besäumt und mit Rillen für die Minen verse- hen, die hineingeleimt werden. Der „Deckel“ wird mit Holzleim angeklebt und in einer hydrau- lischen Zwinge verpresst, dann nach mindestens zwei Stunden Trockenzeit in Stiftlänge ge- schnitten, mittels Hobelmesser profiliert (drei-, sechskant oder rund), bis zu 10-mal lackiert, per Prägung mit Informatio- nen versehen und maschinell angespitzt. Die Arbeitsschritte per se sind heute ähnlich wie in vorin- dustriellen Zeiten, bloß lau- fen sie automatisiert ab. „In den 1920ern waren 27 Leute in der Holzabteilung beschäf- tigt, heute sind es vier, die die dreifache Menge schaffen“, er- zählt Rabitsch. Selbst wenn so mancher zwischenzeitlicher Versuch mit Holzsubstituten oder Kunststoffminen wieder gestoppt wurde: Neue Werk- stoffe werden bei Brevillier Urban immer wieder getestet. Aufgezeichnet von Ursula Jungmeier-Scholz
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