top of styria 2019
top of styria 3 2019 Ing. Josef Herk ist Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. Jetzt sind die Zeiten endlich so modern, hip und trendy, wie man es immer schon herbei- gesehnt hat, und dann kommt die Wirtschafts- kammer mit ihren altbackenen Tugenden da- her: Fairness, fairer Wettbewerb und über- haupt dieses langweilige Einhalten der Spielre- geln ... Regeln sind doch zum Brechen da – so empfiehlt es doch seit jeher das ungeschriebene Gesetz der Rebellion. – Wer Ironie nicht ver- steht, wird diese Sätze womöglich für bare Münze nehmen. Dennoch: Irgendein Körn- chen Wahrheit scheint da auch dabei zu sein – irgendetwas, das unterschwellig vermittelt, dass fair eigentlich fad ist und dass es halt kei- nen Wettbewerb ohne Fouls gibt. Eines dieser Fouls geschieht Tag für Tag bei den grenzüberschreitenden Dienstleistungen: Im Baubereich kommt es österreichweit bei jedem zweiten kontrollierten ausländischen Unternehmen zu Beanstandungen, Lohn- und Sozialdumping stehen quasi auf der Ta- gesordnung. Bei den österreichischen Unter- nehmen ist das hingegen nur bei einem Pro- zent der Fall. Es ist aber nicht nur die Baubran- che allein, sondern das gesamte Gewerbe und Handwerk sind stark betroffen: Drei Viertel aller Betriebe leiden unter massivem Preis- druck. Dazu kommen Fairnessverstöße, die von Abgabenbetrug über Scheinanstellungen und Schwarzarbeit bis hin zu Verstößen gegen die Regelungen bei den Öffnungszeiten reichen. Als ob das nicht schon genug wäre, gibt’sauchnochdenweltweitenOnline-Handel, dessen Konzerne in Österreich de facto kei- nerlei Steuern und Abgaben zahlen. Wir ha- ben also ein großes Problem mit unfairen Mitbewerbern, die sich nicht an die Regeln halten. Aber was kann man dagegen tun? Die Wirtschaftskammer setzt sich seit einigen Jahren massiv dafür ein, diesen unfairen Prak- tiken einen Riegel vorzuschieben. Es gibt eine verstärkte Kooperation mit der Finanzpoli- zei bei den Grenz- und Inlandskontrollen und auch unser eigener Erhebungsdienst der Wirt- schaftskammer gegen unlauteren Wettbewerb kommt verstärkt zum Einsatz. Diese Aktionen zeigen das Ausmaß des Problems, sie steigern aber auch das Bewusst- sein bei den Betroffenen, dass ihr Verhalten ganz einfach nicht den Regeln entspricht. Wir setzen uns ebenfalls dafür ein, dass die Webplattformen den gleichen abgabenrecht lichen Spielregeln unter- liegen wie das kleine Kauf- haus ums Eck. Wir setzen uns folglich für die nächsten Jahre klare Ziele, was die Aufrechter- haltung bzw. Wiederher- stellung von fairen Wett- bewerbsbedingungen be- trifft. Wir wollen gleiches Recht für alle: Wer sich nicht an die Regeln hält, der muss die Konsequenzen spüren. Eine Möglichkeit sind harte Strafen, und dank der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Behörden können diese mittlerweile auch bes- ser vollzogen werden. Auch die Beschlagnah- mung von Werkzeugen und Maschinen ist in diesem Zusammenhang eine effektive Maß- nahme. Ebenfalls dringend erforderlich ist eine schlagkräftige Vollziehung von Strafen im Ausland. Eines ist klar: Wir bekennen uns zum europä- ischen Wirtschaftsraum und den damit ver- bundenen Freiheiten, die natürlich auch den steirischen Unternehmen zugutekommen. Wenn das aber ausgenutzt wird, dann setzen wir uns zur Wehr. Denn dagegen kämpfen und rebellieren wir heftig – und das ist nicht ironisch gemeint! Josef Herk Ist fair fad? STATEMENT „Wir bekennen uns zum europäischen Wirtschaftsraum und den damit ver bundenen Freiheiten, die natürlich auch den steirischen Unternehmen zugutekommen. ” Foto: Wolf, Illustration: Andreas Putz für FH Joanneum
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