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14 top of styria 2020 KLUGE Förderung Wirtschaftsförderung im Schatten eines Virus. Kritische Anmerkungen zu einem sensiblen Thema. Alfred Gutschelhofer & Thomas Krautzer „Wenn Förder mittel als eine Art persönliche, politische milde Gabe ohne stra tegische Konzep tion verstanden werden, können sie keine posi tive Wirkung erzielen.“ „Förderung soll helfen, die ‚endogene Er neuerung’ vo ranzutreiben, der Fokus liegt also auf einer innovativen Ver besserung der Technologiebasis der Region.“ Univ.-Prof. MMag. Dr. Alfred Gutschelhofer ist Vorstand des Instituts für Unternehmensfüh- rung und Entrepreneurship und leitet das Zentrum für Entrepre- neurship und angewandte BWL der Karl-Franzens-Universität Graz. Von 2003 bis 2011 war er Rektor der Universität Graz. W irtschaftsförderung machte in der Stei- ermark schon ein- mal einen tiefgrei- fendenund erfolgreichenWandel durch. Was war passiert? Durch die traumatischen Erfahrun- gen aus der Krise der 1980er Jah - re zeigte sich, dass das bisherige System bei hohen Kosten zu we- nig Wirkung brachte. Förderung wurde zu dieser Zeit vornehm- lich als finanzielle Abdeckung von Problemen verstanden, so- zusagen als Notfallinfusion. Statt jedoch Heilung zu bringen, schuf man chronische Probleme, quasi Siechende am Dauertropf. AmEndemusste manvor Fässern ohne Boden ka- pitulieren. Auch eine wei- tere Erkenntnis machte sich breit: Wenn För- dermittel als ei ne Art persön- liche, politische milde Gabe ohne strategische Konzeption verstanden werden, können sie keine positive Wir- kung erzielen. Seitdem hat sich in der Steiermark ein wesentlich ef- fektiveres System etabliert: Erstens, Förderung wird vor- wiegend als Chancendenken und nicht mehr als Problem abdeckung verstanden. Sie soll nachweislich zukunftsorientierte Investitionen unterstützen. Zweitens, Förderung soll helfen, die „endogene Erneuerung“ vo- ranzutreiben, der Fokus liegt also auf einer innovativen Ver- besserung der Technologieba- sis der Region, entweder durch Ausbau etablier- ter Unterneh- men oder durch Neugründungen oder Erweite- rungen. Drittens, Förde - rung soll über Infrastrukturen (z. B. Kompe- tenzzentren oder Gründer- und Impulszentren) sowie Bewusst- seinsbildung den Standort stär- ken, so dass Betriebe ein wettbe- werbsfähiges Umfeld vorfinden: Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Viertens, Förderungen werden nicht mehr als gnädiger Akt spen- dabler Politiker gesehen, son- dern als strategisches Werkzeug mit entsprechender Planung und Abwicklung über festgeschriebe- ne Programme. Auf den Punkt gebracht: Moderne Wirtschaftsförderung hat dieWett- bewerbsfähigkeit eines Stand ortes und der Unternehmen im Fokus und ist weder eine dau- erhaft sprudelnde Quelle, noch ist sie dazu da, die Risiken aus Märkten zu nehmen, sich wie ein Schutzmantel über Unternehmen zu breiten. Förderpolitik, wie man sie heute verstehen sollte, ist An- schub für Gründungen, gestaltet Infrastrukturen und setzt Impulse für Investitionen und Forschung & Entwicklung. Förderung ist aber letztlich auch, das Bewusstsein von Bevölkerung und Politik so zu schärfen, dass die Bereitschaft gegeben ist, die Unternehmen in ihrer Zukunfts- a u s r i c h t u n g und im Wett- bewerb sozusa- gen mit aktivem Flankenschutz zu unterstützen. Was heißt das alles für die nächsten Monate? Hinsichtlich der Wirtschaftsför- derung könnte man eine der al- ten Weisheiten bemühen: Öffentli - cher Konsum und Transferzahlun- gen besitzen keinen hohen Multi- plikator. Eher sollte man große In- vestitionen im Auge behalten, bei denen viele mitziehen können. In der jetzigen Situation werden Zinszuschüsse oder zinspolitische Maßnahmen auch kaum eine po- sitive Wirkung haben. Vielmehrwäreessinnvoll,direkte Zuschüsse für Wirtschaftsleistun- gen und Investitionen zu geben, wobei es hier einer sehr ho- hen Kompetenz bedarf, die Trefferquote entsprechend zu gestalten. Man könnte letztend- lich einem Sprichwort folgend sagen: Geld ist nicht alles, aber es ist schon beruhigend, wenn man es zusätzlich noch hätte. Al- lerdings wird derzeit gutes Geld auch in praktisch insolvente Un- ternehmen gegeben, was in den nächsten Jahren zu Verzerrun- gen führen wird. Wenn allerdings a u f g e s t a u t e Dämme brechen, ist das meist schlimmer als ein gelegentli ches Hochwas- ser. Aber neben diesen klassi- schen Bereichen gibt es ein viel größeres Prob- lemfeld mit di- Univ.-Prof. Dr. Thomas Kraut- zer ist Leiter des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte. Er war ab 2000 Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Steiermark und wurde 2017 als Professor für wirtschaft- liche Standortfragen an die Universität Graz berufen . Fotos: Schiffer, beigestellt
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