top of styria | 2020

top of styria 3 2020 Ing. Josef Herk ist Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. V or ungefähr einem Jahr haben wir hier in Europa zum ers- ten Mal vernommen, dass es ein neues Virus gibt, irgendwo in China, in einer Stadt namens Wuhan. Weit weg jedenfalls, kein Problem für uns, das ist in China, das kann uns nicht treffen … Den Rest kennen Sie. Wir haben das zweifelhafte Privileg, Zeitzeugen einer der massivsten gesellschaftlichen, medizi- nischen und wirtschaftlichen Plattenver- schiebungen seit dem Zweiten Weltkrieg zu sein. Betroffen ist jeder davon, auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen. Was also tun, um nicht zu resignieren? Sehenwir den Tatsachen ins Auge:Wir blicken auf ein außergewöhnliches Jahr mit riesigen Herausforderungen zurück. Wir haben dabei unser Möglichstes getan, um den tausenden steirischen Unternehmerinnen und Unter- nehmern zur Seite zu stehen und sie so gut es geht zu unterstützen. Wir managen den Här- tefallfonds, der nun auf zwölf Monate verlän- gert wurde, es gibt den Fixkostenzuschuss, die Kurzarbeit, den Neustartbonus, kurz: Es wurde vieles auf den Weg gebracht, um die schlimmsten Auswirkungen abzufedern. Das reicht aber nicht, und damit meine ich nicht einmal so sehr die finanziellen Aspekte. Wir müssen auch die ganze Einstellung ver- ändern und an die neuen Gegebenheiten an- passen. Denn das Corona-Virus wird uns er - halten bleiben. Ja, es wird im Lauf der Zeit eine Impfung geben, aber bis das der Fall ist, können wir uns nicht einbunkern und war- ten, dass die Zeit vergeht. Wir brauchen daher eine neue Kultur des Ermöglichens, die den Restart unserer Wirtschaft nach der aktuel - len zweiten Welle begleitet. Das bedeutet: Wir müssen uns jetzt fragen, wie gut unsere Ge- sellschaft und die Wirtschaft als Ganzes auf- gestellt sind. Wir müssen uns jetzt fragen, was wir an der Verwaltung verbessern können. Denn da gibt es noch viel Spielraum, etwa bei den Verfahrensdauern. Und wir müssen uns jetzt fragen, was auch wir als Wirtschaft dazu beitragen können, um neue Spielregeln auf- zustellen, die für alle gültig sind. Ich appelliere hier auch stark an die Eigen- verantwortung der Unternehmerinnen und Unternehmer – mit dieser Eigenverantwor- tung können wir ja sehr gut umgehen. Jetzt müssen wir sie dazu benutzen, uns selbst kritisch zu analysieren und uns zu fragen, wie gut wir selbst aufgestellt sind. Auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren, aber das wirtschaftliche Leben wird sich verändern. Also müs- sen wir es jetzt aktiv mitgestalten, an- statt den Kopf in den Sand zu stecken. Eines steht fest: Wir wollen keinen wei- teren kompletten Lockdown! Das wäre das fatale Finale einer Abwärtsentwick- lung, die uns ohnehin schon genug Energie und Kraft kostet. Aber wir brauchen natürlich eine gemeinsame Anstrengung, eine Rückbe - sinnung auf das, was uns stark gemacht hat. Das Problem ist, dass niemand genau sagen kann, wie sich die Dinge entwickeln. Sie wis - sen jetzt – also in dem Moment, wo Sie diese Zeilen lesen – auch bereits mehr, als ich zu dem Zeitpunkt gewusst habe, an dem ich die- se Gedanken hier skizziert habe. Wobei ich mir bei einem sicher bin: Gemeinsam werden wir auch diese Herausforderungen meistern. Josef Herk Eine neue Kultur des Ermöglichens KLARE Worte „Es wurde vieles auf den Weg gebracht, um die schlimmsten Auswirkungen abzufedern. Das reicht aber nicht, und damit meine ich nicht einmal so sehr die finanziellen Aspekte. Wir müssen auch die ganze Einstellung verändern und an die neuen Gegebenheiten anpassen.” Bild/Detail: Dampfhofer; Fotos: Wolf, Schiffer

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYwNjU=