top of styria 2021

66 top of styria 2021 D ie COVID-19-Pandemie bescherte Österreich die schwerste Rezessi - on seit der Nachkriegs- zeit. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft waren verheerend und die Prognosen düster. Was nie- mand erwartet hatte, trat dann aber doch ein: Der Aufschwung kam rascher und kräftiger, als es etwadasWIFOprognostizierthatte – zumindest vorläufig scheint die Krise gebannt. Eine große Rolle spielt dabei der Export: Produziert, konsumiert und investiert kann nur werden, wenn auch etwas da ist, mit dem gearbeitet wer- den kann. Lückenhafte Liefer- ketten und überbordende Off - shoring-Maßnahmen haben sich als Hemmschuh in der Krise ent- puppt. Daraus hat man gelernt – was jetzt dem Standort zugute- kommt. Die Krise sorgte weniger für einen Totalausfall als für einen Aufschub beim Konsum und so- mit auch bei der Produktion und den Investitionen. Sobald sich die schwarzen Wolken lichteten, zog der Optimismus ins Land – und mit ihm der Konjunktur-Phönix, der sich aus der Asche erhob. Im steirischen Konjunkturbarome- ter lässt sich das besonders deut- lich sehen: Die Trendwende nach oben zeigt sich quasi in allen Beob- achtungsindikatoren. Wenngleich viele Unternehmer schmerzhafte Einbußen erlitten haben und ei- nige noch immer sehr schwieri- ge Rahmenbedingungen vorfin - den, sieht doch die Mehrheit der Unternehmen positiv in die Zu- kunft, Aufträge, Umsatz und In- vestitionen werden angekurbelt. Dreh- und Angelpunkt war und ist der Export. Die Exportwirtschaft war als erste von den Auswirkun- gen der Einschränkungen betrof- fen – was nicht verwundert, denn das Wesen einer Pandemie ist ihre Grenzüberschreitung. Mit einem Anteil von 69,7 Prozent hängt der österreichische Export am Zugang zu Europa und der Welt, insbeson- dere zu Deutschland, den USA und Italien. Diese Zugänge wurden ge- kappt oder zumindest stark be- hindert. Aus 25,9 Milliarden Euro Exportanteil im Jahr 2019 wur - den 2020 nur 22,3 Milliarden, ein Rückgang von 13,9 Prozent. In der Wirtschaft haben daraufhin die Alarmglocken geschrillt und das Augenmerk richtete sich auf das Supply-Chain-Risikomanagement. Das Offshoring von teuren Un - ternehmensaktivitäten an lukra- KLAR TEXT Bild (Detail): Ursula L. Bogner; Foto: Fischer „ Re-Shoring heißt das Gebot der Stunde, also das Zurückholen von Produktion, Arbeitskräften, Standorten etc. nach Hause.“ „Der Fokus auf regionale Alternativen wird anfangs Geld kosten, könnte sich aber in absehbarer Zeit bezahlt machen – und so­ gar den entscheidenden Unterschied machen – zwischen einer Wirt­ schaft, die eine Krise bravourös meistert, und einer, die ins Schlingern gerät.“ Denn das Gute liegt so nah Karl-Heinz Dernoscheg Dr. Karl-Heinz Dernoscheg, MBA, ist Direktor der Wirtschaftskammer Steiermark. tivere Orte hat sich in der Pande- mie leider als Bumerang erwiesen. Ein Umdenken hat sich seitdem auch bei vielen Großkonzernen breitgemacht: „Re-Shoring“ heißt das Gebot der Stunde, also das „Zurückholen“ von Produktion, Ar- beitskräften, Standorten etc. nach Hause. Und neben „Nachhaltig- keit“ wurde jetzt „Regionalität“ zu einem wichtigen Vokabel imWort- schatzderer,denendieZukunftder Wirtschaft am Herzen liegt. Kurz gesagt: Wer auch regional agiert, ist autarker, resilienter gegen Lie- ferkettenengpässe und damit ins- gesamt besser als Exportstandort aufgestellt als eine Region, die überwiegend von externen Fakto - ren abhängig ist. Das war eine der großen Lehren aus der Krise. Viele Unternehmen fragen sich jetzt etwa, ob ihre – kostengünsti- ge – Lieferkette aus Übersee wei- terhin und vor allem nachhaltig Sinn ergibt. Der Fokus auf regio- nale Alternativen wird anfangs Geld kosten, könnte sich aber in absehbarer Zeit bezahlt machen – und sogar den entscheidenden Unterschied zwischen einer Wirt- schaft, die eine Krise bravourös meistert, und einer, die ins Schlin- gern gerät, darstellen. Selbstverständlich müssen die Märkte offen bleiben, einseitige Abhängigkeiten sollten aber ver- mieden werden. Die steirische Wirtschaft braucht den Export – und die Steiermark muss ein noch resilienterer Standort werden.

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