top of styria | 2017
top of styria 61 2017 Fotos: Christian Jungwirth/Bigshot, Werner Krug, Gall Pharma, DEAKON www.deakon.at www.gall.co.at Die Geschichte der DEAKON beginnt so, wie viele in der Elektronik beginnen …,– nein, (noch) nicht in der Garage, sondern als Heimarbeit am Wohnzimmertisch. Ein Bran- chen-Riese fragte Anneliese Degen vor 30 Jahren, ob sie eine Arbeit übernehmen kön- ne, die ausgelagert werden sollte. Also machte Frau De- gen den Gewerbeschein und schnitt ihre ersten Kabelbün- de mit einer Handzange. Die zweite Station lag dann – ob- ligatorisch– in der Garage ei- ner Tante, wo sie den ersten Kabelkonfektionsautomaten aufstellen durfte. Dort kam dann Fahrt in die Geschichte. Aber: Kein Weg zieht immer gerade dahin –manchmal win- det er sich sanft und mitun- ter führt er auch scharf ums Eck. 2008 begannen größe- re Mitbewerber, die Preise zu drücken. Also zeigte sich die DEAKON Degen GmbH flexi- bel wie ein gutes Kabel: Es ist biegsam – aber ohne zu kni- cken. Ab 2009 wurde ein Teil der Produktion in ein Billig- lohnland ausgelagert, damit die heimischen Arbeitsplätze erhalten bleiben konnten. Heute sind 18 Mitarbeiter in Autal und 12 als verlängerte Werkbank in Ungarn tätig. Von 1 bis 100.000 DEAKON liefert Spezialanfer- tigungen, Allerweltskabel über- lässt man großen Elektronik- und Baumärkten. Der Kunde gibt Spezifikation und Men- ge an. Oder er kommt mit Bau- bzw. Konstruktionsplä- nen und DEAKON Degen ent- wickelt die erforderliche Ver- kabelung. Die Mengen reichen von Einzelstücken bis zu Groß- serienmehrerer 100.000 Stück. Leiterplattenfirmen wie AT&S sieht Degen als „Branchen-Ver- wandte“: „Wenn diese Unter- nehmen Leiterplatten herstel- len, dann stellen wir die Ver- bindungskabel für die Leiter- platten unserer Kunden her.“ Aktuell führt der Weg wie- der einmal um ein ziemlich scharfes Eck: Wegen ständi- gen Preisdrucks wird die Pro- duktion weiter automatisiert – Industrie 4.0 also auch in der Welt der Kabelkonfektion. Was bleibt – gute Kabel biegen sich, aber knicken nicht – ist das Commitment für die mensch- liche Arbeitskraft, die nun Au- tomaten bedient, bestückt und wartet. Und natürlich Prototy- pen entwickelt und baut. Aufgezeichnet vonWalter Hoch Die Judenburger Gall Phar- ma GmbH produziert von Hand und vollautomatisch – hier laufen sozusagen zwei Zeitalter parallel. „Ordert je- mand spezielle Kombinatio- nen oder ein Präparat eigens in veganer Kapsel, arbeiten wir auch heute noch mit der klassischen Handmaschine“, erklärt Firmengründer Die- ter Gall. „Zudem lassen sich manche Rohstoffe nur hän- disch verarbeiten.“ Größere Chargen stellt eine Maschi- ne her, die stündlich bis zu 20.000 Kapseln mit Vita- minen, Eiweißen und Spu- renelementen auswirft. Da- bei punktet Gall Pharma mit größtmöglicher Flexibilität. Die Produktpalette umfasst 450 verschiedene Nahrungs- ergänzungsmittel und diäte- tische Lebensmittel, produ- ziert auf Arzneimittel-Stan- dard. Top-Seller sind Weih- rauch-Präparate gegen ent- zündliche Magen-Darm-Er- krankungen, die Vitamine K2 und B12 sowie L-Tryptophan als Stimmungsaufheller. Von 5 auf 100 Begonnen hat Dieter Gall in den 1990ern in der elterli- chen Apotheke mit fünf Mit arbeitern vor allem Einzel- substanzen abzufüllen. Die gab es damals noch nirgend- wo zu kaufen. „Über den Großhandel hat sich unser Fokus dann herumgespro- chen und viele Ärzte und Heilpraktiker haben bei uns bestellt.“ Im Jahr 2006 er- folgte die Expansion. Heute werden rund 90 Prozent der Ware – hauptsächlich nach Deutschland – exportiert. Die Belegschaft ist auf knapp 100 Mitarbeiter angewachsen; die Produktion auf 35 Millionen Kapseln jährlich. Das Gros der Ware erzeugt eine All- round-Maschine, die je nach Einstellung Presslinge kom- primiert und in Kapseln füllt, lose Inhaltsstoffe aus einem Pulverbett hebt oder an der Pellets-Station zuvor herge- stellte Granulate abfüllt. Einen Innovationsschub beim Abfüllverfahren erwartet Gall in nächster Zeit nicht, aber die Inhaltsstoffe der Gelatine- oder Zellulosekapseln werden laufend adaptiert. „Was heute in den USA gefragt ist, wird in ein, zwei Jahren auch bei uns verlangt.“ Die Gall Pharma ist darauf vorbereitet. # Aufgezeichnet von Ursula Jungmeier-Scholz Kein Kabel von der Stange Ein Unternehmen, zwei Zeitalter DEAKON DEGEN GMBH GALL PHARMA GMBH
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