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styria
2013
Foto: Wolf
Meinung Sagen
S
ie sind so etwas
wie das Tafel-
silber der stei-
rischen Wirt-
schaft: die Familienbetrie-
be. Wirft man einen ge-
naueren Blick auf die hei-
mische Wirtschaft, sieht
man sehr deutlich, wel-
chen Stellenwert sie in der
wirtschaftlichen Struk-
tur einnehmen: Seit Jahr-
zehnten sind vielemit Be-
geisterung am Werk, und
die familiäre Verwurze-
lung lässt sie auch etwas
anders „ticken“: „Stabili-
tät statt schneller Gewinn“
könnte man das Credo nennen, nach dem viele dieser Unter-
nehmen arbeiten. Und das hat sie – gerade in Zeiten der wirt-
schaftlichen Unsicherheiten – auch zu besonders verlässlichen
Arbeitgebern gemacht.
Dieses Denken hinterlässt auch Spuren im täglichenHandeln der
Betriebe. Verantwortung etwa ist ein Wert, der besonders hoch-
gehalten wird, Ausbildung ein weiterer. Denn in den Familien-
betrieben werden traditionell viele Lehrlinge ausgebildet, was
wiederum auch sehr viel mit dem Selbstverständnis zu tun hat:
Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Handschlagqualität
und – last but not least – Fleiß sind jene Tugenden, die man in
den Familienunternehmen besonders häufig finden kann.
Eine Studie der KMU Forschung Austria hat sich unlängst Fa-
milienunternehmen in Österreich angesehen und dabei viel In-
teressantes zu Tage gebracht. Europaweit liegt Österreich bei-
spielsweise unter den Top-3-Ländern, nur in Deutschland und
in Italien ist der Anteil der Familienbetriebe noch höher als hier.
In Österreich sind über 54 Prozent aller Unternehmen Famili-
enbetriebe, sie beschäftigen 1,7 Millionen Menschen und erwirt-
schaften einen Umsatz von 365 Milliarden Euro. Die stärksten
Branchen sind der Tourismus, aber auch in der Produktion, im
Bau und im Handel liegen Fa-
milienbetriebe ganz weit vor-
ne. Wirtschaftlich betrach-
tet stehen die Unternehmen
durchwegs gut da. Das zeigt
sich auch bei der Beschäf-
tigung. Zwischen 2010 und
2012 haben 82 Prozent der
Unternehmen die Zahl der
Beschäftigten halten können,
auch die Umsatzentwicklung
verläuft in der Regel stabil.
Betriebe dieser Art machen
keine großen Sprünge nach
oben, aber auch keine auffäl-
ligen Ausreißer nach unten.
Sie vermitteln dadurch etwas,
das für einen Wirtschafts-
raum und vor allem für die
Menschen von wachsender
Bedeutung ist: Stabilität.
Auch wenn das auf den ers-
ten Blick ein wenig konserva-
tiv und so gar nicht nach den
herkömmlichen
Attributen
der Wirtschaft – Wachstum,
Dynamik, Fortschritt etc. –
klingen mag: Die Familien-
unternehmen haben in man-
chen Dingen die Nase vorn.
So sind beispielsweise über-
durchschnittlich viele Frau-
en in der Geschäftsleitung tä-
tig. Die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter wiederum bleiben
überdurchschnittlich lange in
den Unternehmen, die Fluk-
tuation ist also gering.
Was aber sagt uns das wirk-
lich? Und was heißt das für
den Standort Steiermark?
Die Botschaft ist eigentlich
klar: Wer mit einer guten
Ausbildung ein solides Un-
ternehmen gründet, der wird
langfristig erfolgreich sein,
für Stabilität und Beschäfti-
gung sorgen und so einen Bei-
trag für den Standort leisten.
Das funktioniert übrigens
auch heute noch. Und das Ta-
felsilber wird dadurch auch
an kommende Generationen
weitergegeben. So wie in mei-
nem Unternehmen, der Herk
GmbH, die mein Vater vor 55
Jahren als Ein-Personen-Un-
ternehmen gegründet hat.
Heute beschäftigen wir 24
Mitarbeiter, davon vier Lehr-
linge und auch mein Sohn ist
bereits im Unternehmen tätig.
Ing. Josef Herk ist Präsi-
dent der Wirtschaftskam-
mer Steiermark.
Josef Herk
Mehr als die Hälfte aller Unternehmen in der Steiermark sind
Familienunternehmen. Ob regional aktiver Handwerksbetrieb
oder multinationaler Industriekonzern – eines ist all diesen Be-
trieben gemein: eine besondere Unternehmenskultur, die sich
auch wirtschaftlich positiv auswirkt.
Das Tafelsilber
„Stabilität statt schneller Gewinn“
könnte man das Credo nennen.