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styria
2013
Verantwortung Tragen
Christian Buchmann:
Diese
Unterscheidungen sind aus
meiner Sicht entbehrlich. Es
gibt Dienstnehmer, die unter-
nehmerisch tätige Menschen
sind, und es gibt Unterneh-
mer, die per Definition unter-
nehmerisch tätig sind. Leis-
tungsorientierte,
leistungs-
fähige und leistungsberei-
te Menschen werden in Un-
ternehmungen nur arbeiten,
wenn die Rahmenbedingun-
gen passen. Dabei ist Geld nur
ein Hygienefaktor. Die Moti-
vation liegt woanders, etwa
beim Arbeitsklima, der Fra-
ge der Arbeitsmittel, der Fra-
ge der Umwelt.
Ulli Retter:
Ohne Arbeitneh-
mer gäbe es keine Arbeitge-
ber – und umgekehrt. Jeder
Mensch hat im Leben einen
Auftrag. Vielleicht kann man
diesen Auftrag auch auf das
Unternehmen umlegen. Vor
allem wenn es Unternehmer-
geführt ist, dann kann man
das. Dann findet man auch
die Mitarbeiter, die mit dir ei-
nen Auftrag erfüllen möchten
und Freude dabei haben.
Eva Michailowitsch:
Der Mit-
arbeiter muss ja auch zum
Unternehmen passen. Mitar-
beiter, die das nicht mittra-
gen, passen auch schwer in
das familiäre Umfeld hinein.
top of styria:
Ein Teil des an-
gloamerikanischen
Modells
ist auch, dass jedes Unterneh-
men einen Umwelt- oder CSR-
Bericht braucht und man so-
ziale Verantwortung in Bilan-
zen abbildet. Macht man es
aus wirtschaftlichen Überle-
gungen bzw. verdient man mit
sozialer Verantwortung Geld?
Ulli Retter:
Ich glaube, dass
die Beschäftigung damit ein
gewisses Bewusstsein her-
vorruft. Es ist ein perma-
nentes Überprüfen und man
sieht, wo man steht. Man hat
immer wieder eine Selbst-
kontrolle und entdeckt Berei-
che, in denen man noch nicht
so gut ist. Dann kann man
wieder eines draufsetzen und
sich verbessern. Daher finde
ich auch Zertifizierungen gut.
Friedrich Santner:
Ich bin
ein absoluter Gegner von Zer-
tifizierungen. Ich halte es für
einen Irrglauben zu denken,
ich kann einen CSR-Beauf-
tragten in das Unternehmen
setzen und dann wird das
Unternehmen sozial verant-
wortlich agieren. Das funk-
tioniert nur dann, wenn es
Führung und Mitarbeiter ge-
meinsam leben. Die Qualität
der Produkte steigt ja auch
nicht, weil ich einen Quali-
tätsbeauftragten habe. Es
ist notwendig, dass der Ge-
danke der Qualität in allen
Köpfen ist. Ein Beauftrag-
ter kann das vielleicht koor-
dinieren. Ich kann in mein
Leitbild hundert Mal hin-
einschreiben, dass mir mei-
ne Mitarbeiter wichtig sind,
aber wenn ich es nicht täg-
lich so lebe, kann ich hin-
schreiben, was ich will. Es
gibt Menschen, die arbeiten
und jene, die beschäftigt sind.
Wir müssen aufpassen, dass
man nicht die Arbeitslast der
Leute, die arbeiten, mit im-
mer mehr Zertifizierungen
durch Beschäftigte noch wei-
ter erhöht. Das ist aber ein
sehr persönlicher Zugang.
Eva Michailowitsch:
Ich gebe
Herrn Santner recht. Man
kann sich noch so tolle Sa-
chen auf die Fahnen heften.
Das wichtigste ist aber, dass
es gelebt wird, ehrlich und
»
Jeder Mensch hat im Leben einen Auftrag.
Vielleicht kann man diesen Auftrag auch
auf das Unternehmen umlegen.
Ulli Retter
Die Kultur, die das Führungspersonal
vorlebt, überträgt sich auch auf die Mitar-
beiter. Wenn das von oben eigenartig vor-
gelebt wird, warum sollen dann die Mit-
arbeiter anders agieren?
Christian Buchmann
Ulli Retter
Friedrich
Santner