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Zuhören.

Und

gemeinsam umsetzen

Ing. Josef Herk ist Präsident der

Wirtschaftskammer Steiermark.

Die Fronten unserer alltäglichen interes-

senpolitischen und sozialpartnerschaft-

lichen Diskussionen sind klar abgesteckt.

Jeder weiß, was das Gegenüber erwar-

tet und was einen umgekehrt zu erwar-

ten hat. Einem ewig gleichen Ritual fol-

gend breiten wir unsere Argumente aus

und antworten meistens schon, bevor

die Fragen gestellt sind.

Die Wünsche nach „Themenführer-

schaft“, nach der „aktiveren Rolle“, nach

dem „längeren Atem“ sind in unserer ta-

gespolitischen Tüchtigkeitsarena zu fi-

xen Ideen geworden. Gleichzeitig wun-

dern wir uns über stagnierende Dis-

kussionen, mangelndes Zuhören und

schwindende Anerkennung in der öf-

fentlichen Diskussion.

Besonders deutlich wurde dies bei der

Präsentation der Gewerbeordnungs-

novelle: Wird man nur ausgelacht,

dann kommt man noch vergleichswei-

se gut weg. Politik und vor allem Inte-

ressenvertretungen werden aber da-

rüber hinausgehend vermehrt als an

der Grenze zur Kriminalität agierend

wahrgenommen. Das Ausmaß und die

Intensität der Anfeindungen haben das

erträgliche Maß schon lange überschrit-

ten. Nein, so haben wir uns das alles ei-

gentlich nicht vorgestellt! Wollen wir

wirklich so miteinander umgehen?

Um diesen Mechanismen zumindest ein

wenig entgegenzusteuern, haben wir ein

Format entwickelt, in dem das Wahrneh-

men des Gegenübers wieder in den Vor-

dergrund treten soll. Es geht um einen

Rollentausch, um andere Standpunkte:

wieder zuhören, andere Argumente ver-

stehen – ohne sie teilen zu müssen! Kurz:

Es geht darum, dem Gesprächspartner

wieder mehr Wertschätzung entgegenzu-

bringen und einen „Konsens im Dissens“

herzustellen. In dieser Ausgabe von top

of styria können Sie sich ein Bild davon

machen, was wir damit meinen.

Wir als Wirtschaftskammer Steiermark

haben uns jedenfalls vorgenommen, jene

Vorhaben und Ziele umzusetzen und zu

erreichen, die innerhalb unserer Möglich-

keiten liegen, und damit für einen „Real

Deal“ zu sorgen, anstatt auf den „New

Deal“ der Bundesregierung zu warten.

Talentcenter

Dazu gehören zwei Projekte, die wir in

unserem Arbeitsprogramm verankert

haben und die wir erfolgreich umsetzen

konnten: Zum einen das Talentcenter,

das wir im September nach mehrjähri-

ger inhaltlicher Planung eröffnet haben.

Es soll in Zukunft allen steirischen Ju-

gendlichen die Möglichkeit bieten, vor-

handene Talente zu entdecken, um sie

konsequent zu fördern und daraus in

weiterer Folge eine richtige, der Persön-

lichkeit und den Talenten adäquate Aus-

bildungsentscheidung zu treffen. Denn

Fehlentscheidungen bei der Berufswahl

und eine damit verbundene Orientie-

rungslosigkeit bei jungen Menschen kön-

nen wir uns angesichts geringer Gebur-

tenraten nicht länger erlauben.

„We are Skills!“

Das zweite Projekt ist die Ausrichtung

der EuroSkills im Jahr 2020, wofür

wir heuer im April in Göteborg den Zu-

schlag bekommen haben. Damit wer-

den Graz und die Steiermark internati-

onal im Rampenlicht stehen wie selten

zuvor. Wir haben dadurch nicht nur die

Gelegenheit, uns als Gastgeber mit unse-

ren Stärken in Tourismus und Gastrono-

mie zu präsentieren, sondern auch un-

ser Ausbildungssystem quasi aus nächs-

ter Nähe vorzustellen. Denn es ist dieses

duale System aus Lehre im Betrieb und

in der Berufsschule, das unsere jungen

Fachkräfte in der Industrie, im Gewerbe

und im Handel so erfolgreich macht.

„We are Skills!“ lautet dabei das Motto, das

nicht nur während vier Tagen im heu-

te noch fernen Jahr 2020 erklingen soll.

Nein, es soll zur eventübergreifenden Hal-

tung werden, die weit über das Jahr 2020

hinausreicht und die Steiermark als leis-

tungsstarken, Know-how-orientierten und

partnerschaftlichen Standort mit Hand-

schlagqualität positioniert. Die Arbeit an

den EuroSkills hat übrigens schon längst

begonnen und wir freuen uns heute schon

darauf, in vier Jahren Europa bei uns zu

Gast zu haben!

#

JOSEF HERK

„Es geht darum, dem Gesprächspartner

wieder mehr Wertschätzung entgegenzu-

bringen und einen ‚Konsens im Dissens‘

herzustellen.“

Foto: Stuhlhofer/Wolf

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styria 3

2016