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D

ISKURS

netzten Welt. Das ist der Fort-

schritt. Damit sind aber wahr-

scheinlich nicht nur die guten

Dinge, sondern auch die He-

rausforderungen stärker ins

Haus gekommen.

Buchmann:

Medien leben

sehr oft davon, dass

bad news

good news

sind. Aktuelles

Beispiel: Alle reden darü-

ber, dass wir eine hohe Ar-

beitslosigkeit haben. Stimmt:

In der Steiermark sind der-

zeit rd. 38.000 in Arbeitslo-

sigkeit, 8.000 in Schulungs-

maßnahmen. Gleichzeitig ha-

ben wir mit 495.000 unselbst-

ständig Erwerbstätigen einen

neuen Beschäftigungshöchst-

stand. Wenn ich 70.000 Unter-

nehmer dazuzähle, kann man

sagen: Noch nie haben in der

Steiermark so viele Menschen

gearbeitet! Man könnte beides

berichten. Berichtet wird aber

nur, dass die Arbeitslosig-

keit steigt. Medien haben aber

schon eine Verantwortung,

beides anzusprechen, in einer

Gesellschaft, wo der Wandel

permanent präsent ist, nicht

nur die

eine

Seite zu berich-

ten, die uns mehr oder weni-

ger hinunterzieht, wenn man

wieder liest, welcher Konkurs

stattgefunden hat. Schlimm,

was das Einzelschicksal be-

trifft. Nur: Es gibt auch die

an-

dere

Seite der Medaille: die Er-

folgsgeschichten.

Herrgesell:

Ich glaube auch

nicht, dass Medien schuld

sind an der Angst. Aber Sie ha-

ben gesagt, man versucht sich

immer wieder zurechtzufin-

den, indem man lernt, mit Un-

sicherheit und mit Angst um-

zugehen. Da schüren diverse

Medien manchmal schon Un-

sicherheit, gerade auch die Be-

richterstattung über den Is-

lam. Das steht dann so groß

da. Was aber z. B. die islami-

sche Jugend Positives tut –

solche Geschichten sind kaum

zu lesen. Dann macht sich Un-

sicherheit breit. Dann muss

ich mir die Zeit nehmen und

vier Zeitungen lesen oder ver-

schiedene Sender im Inter-

net hören. Das ist aber sicher

schwieriger.

Neuper:

Ich sehe natürlich

eine genauso große Verant-

wortung in den Bildungsin-

stitutionen – gerade als Uni-

versität. Im Projekt

Zukunft

Hochschule

, das vom Wissen-

schaftsminister initiiert wor-

den ist, denken wir sehr viel

darüber nach, was die Uni-

versität in 20 Jahren sein soll.

Was müssen wir unseren Stu-

dierenden, unseren zukünfti-

gen Absolventinnen und Ab-

solventen mit auf den Weg ge-

ben? Da geht es nicht primär

um Fachwissen, sondern da-

rum, unsere Studierenden bei

Problemlösekompetenz, kriti-

schem Denken, Kreativität zu

unterstützen. Diese Urteilsfä-

higkeit, die Sie angesprochen

haben, muss in einem breit

angelegten Universitätsstudi­

um Platz haben. Genau auf

diese Kompetenzen muss be-

sonders Rücksicht genommen

werden, damit man eher in

der Lage ist, Handlungsalter-

nativen zu entwickeln, dazu

gehört auch unternehmeri-

sches Denken.

top of styria:

Die Igel rollen

sich heute noch immer ein,

wenn ein Klein-LKW kommt.

Die Strategie funktioniert bei

Füchsen und Katzen super, bei

Klein-LKWs halt nicht so gut.

Die Frage ist: Wie kann man

uns tatsächlich befähigen, mit

dieser komplexen, schnellen,

zusammengerückten Welt um-

zugehen?

Neuper:

Diffuse Zukunfts-

ängste sind ja nicht neu. Vie-

le Bewegungen – die Friedens-

bewegung, die Umweltbewe-

gung in den 60er-, 70er-Jah-

ren, die Jugendprotestbewe-

gungen – sind aus derartiger

Zukunftsangst entstanden. Es

können also durchaus positi-

ve Entwicklungen daraus re-

sultieren. Aber es geht darum,

die Gesellschaft zu unterstüt-

zen, dass die Angst nicht läh-

mend wirkt, sondern ein Aus-

löser für neue Erfindungen,

neue Entwicklungen ist. Das

ist der springende Punkt: Der

Angst die lähmende Wirkung

zu nehmen. Bildung ist ein

wesentlicher Faktor, um die-

se Selbstkompetenz weiterzu-

entwickeln.

Knill:

Die Angst als Schutz-

mechanismus wird man nicht

ablegen können. Aber man

kann dem andere Dinge zu-

mindest gleichwertig stellen.

Buchmann:

Wir haben in

den letzten Jahrzehnten eine

Wohlstandsmehrung zustan-

de gebracht, von der viele

nicht zu träumen gewagt hät-

ten. Aber jetzt sind wir an ei-

nem Punkt, wo viele in der

Gesellschaft spüren: Jetzt ist

ein relativer Wohlstand da,

aber er ist möglicherweise ge-

fährdet. Entweder durch Zu-

zug, Migration – man muss

teilen. Oder – wenn man den

Zuzug nicht will – muss man

in den Ländern mit Not oder

Krieg massiver intervenieren.

Das heißt wiederum, dort Fi-

nanzmittel einzusetzen, da-

mit auch diese Regionen sich

entwickeln können. Das ist

für die entwickelte Gesell-

schaft in Europa etwas völ-

lig Neues: In den ursprüng-

lichen europäischen Kern-

ländern haben wir eine lan-

ge Periode von Frieden, Wohl-

standsmehrung und Sicher-

heit gehabt. All das steht jetzt

„Es ist schwierig, gegen einfache Lösungen

aufzustehen, dafür braucht es Mut.“

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styria

2016