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styria

2016

O

RIGINAL

Eine steirische Harmonika

kauft man nicht jeden Tag, da-

her sollte sie diemusikalischen

Bedürfnisse und individuel-

len Wünsche optimal erfüllen:

in Größe, Klangfarbe und De-

sign. Was jedoch – im Schnitt –

täglich stattfindet, ist, dass bei

Schmidt in Weinitzen ein Ins-

trument vollendet wird. „Wir

fertigen viel in Handarbeit,

wobei die Arbeitszeit je nach

Modell und Sonderwünschen

stark variiert: von 50 Stun-

den für das Anfängermodell

bis 150 Stunden und mehr für

ein Profi-Instrument“, erklärt

Franz Schmidt junior. Er führt

seit 2007 die Geschäfte – mit

Passion.

„Ich war schon als Bub immer

im Betrieb.“ Seit er sechs Jah-

re alt war, spielt er selbst; spä-

ter absolvierte er daheim die

Lehre zum Harmonikabau-

er. Sein Vater, Franz Schmidt

senior, war vor der Firmen-

gründung 1984 viele Jahre als

Meister bei der renommier-

ten Firma Stachl tätig. Die Er-

fahrung aus den Reparaturar-

beiten half ihm, Schwachstel-

len zu erkennen. Beim eige-

nen Produkt, so sein erklärtes

Ziel, sollten diese Verschleiß-

teile besonders haltbar sein.

„Als guter Harmonikabau-

er braucht man nicht nur ein

feines Gehör und handwerkli-

ches Geschick“, betont der Ju-

nior. „Geduld und Liebe zum

Detail sind unerlässlich – weil

es bei unserer Arbeit auch auf

einen halben Millimeter an-

kommt.“

Neun hoch spezialisierte Mit-

arbeiter, meist selbst Har-

monika-Spieler, sorgen bei

Schmidt dafür, dass jeder

Kundenwunsch erfüllt wird

– fein klingende Instrumen-

te für Stubenmusik ebenso

wie kräftig tönende für Al-

leinunterhalter. Das Klangde-

sign geht so weit, dass Musi-

ker mit einer Hörprobe auf CD

kommen und eine Harmoni-

ka in derselben Klangfarbe be-

stellen. Weitere Sonderwün-

sche – wie etwa das steirische

Wappen auf dem Balg oder

ein gebrandetes Instrument

– werden gerne erfüllt. Auch

ein Rucksackmodell für un-

terwegs gibt es. Mechanisch,

klanglich, aber auch in puncto

Materialien und Verarbeitung

wird bei Schmidt stets Inno-

vatives ausprobiert. Denn das

Motto des Firmenchefs lautet:

„Wenn du stehenbleibst, bist du

verloren.“

Aufgezeichnet von

Ursula Jungmeier-Scholz

www.steirische-harmonika.at

Stubenmusik oder Solo:

Harmonika

on demand

SCHMIDT HARMONIKAERZEUGUNG

GMBH, WEINITZEN

www.berghofer-muehle.at

BERGHOFER-MÜHLE GMBH, FEHRING

Wo

Öl

und

Wissen

fließen

An jenem Platz an der südost-

steirischen Raab, wo heute die

Fehringer Berghofer-Mühle

feinstes Mehl und hochwerti-

ges Kürbiskernöl liefert, wur-

de schon vor mehr als 800

Jahren Ähnliches erzeugt. Zu-

nächst von den Trautmanns-

dorfer Gutsherren und seit

1845 von den Berghoferischen

selbst. Ohne die Innovations-

kraft der Familie hätte die

kleine Handwerksmühle nach

dem EU-Beitritt allerdings

wohl – wie ähnliche Betriebe –

bald ein jähes Ende gefunden.

Aber wer sagt, dass eine Mühle

nur Mehl, Grieß und Öl liefern

kann, und nicht auch Spaß,

Wissen und Kürbiskernölli-

kör? Heute umfasst die Pro-

duktpalette neben traditio-

nellen Erzeugnissen auch ver-

edelte Ware wie Backmischun-

gen, Müsli, Kürbiskernpesto

und den erwähnten tiefgrü-

nen Likör. Zu erstehen sind die

Leckereien sowohl im Müh-

lenladen als auch imWebshop;

zu genießen sind sie zudem in

ausgewählter regionaler Gas­

tronomie und Hotellerie.

Doch neben dem Leib nährt

die Berghofer-Mühle auch den

Geist: Wissen und Spaß ver-

mitteln Mühlenführungen –

zu ausgewählten Gelegenhei-

ten vom Mühlengeist Ferdi-

nand selbst durchgeführt. Im

Alltag leiten die drei Bergho-

fer-Schwestern den Betrieb in

6. Generation.

Dass die „Mühlenschule“ das

zweite Standbein des Unter-

nehmens geworden ist, kam

nicht von ungefähr: Als die

zweitgeborene Schwester Li­

ane als Lehrerin gerade in Ka-

renz war, beteiligte sie sich

voller Elan an der Neuorien-

tierung des Unternehmens

und brachte ihre pädagogi-

schen Fähigkeiten ein. Gema-

nagt wurde der Betrieb da-

mals schon von ihrer gro-

ßen Schwester, einer Müller-

meisterin. Die dritte Schwes-

ter, von Beruf Steuerberate-

rin, übernahm kurz darauf

das Kaufmännische. Durch

Bündelung ihrer Kompeten-

zen ist es den dreien gelungen,

die Mühle zu erhalten und da-

mit auch das Wissen über tra-

ditionelle Mehl- und Ölerzeu-

gung weiterzugeben. Für die

Pflege der Handwerkstraditi-

on und die alle Sinne anspre-

chende Vermittlung des Mül-

lerwissens gab es kürzlich den

Volkskulturpreis des Landes

Steiermark 2016.

Aufgezeichnet von

Ursula Jungmeier-Scholz