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styria 53
2016
O
RIGINAL
Handgefertigte Maßschuhe gibt
es noch: bei Schuster Schalk.
Allerdings ist die überwiegen-
de Zahl davon spezieller Na-
tur, nämlich orthopädisch.
Rund 1.200 Paare pro Jahr
werden hier passgenau herge-
stellt – für Füße mit besonde-
ren Bedürfnissen. Gut 1.500
Paar bauen die Experten nach
Vorgaben von behandelnden
Ärzten als Schuhzurichtung
so um, dass optisch und me-
dizinisch ein Optimum erzielt
wird. Eine der großen Heraus-
forderungen für die Orthopä-
dieschuhmacher: „Ein sehr ex-
travagantes Designermodell 1
zu 1 in die Orthopädie zu über-
setzen, zählt zu den schwie-
rigsten Aufgaben“, erklärt
Markus Schalk, Orthopädie-
Schuhmachermeister und ge-
werberechtlicher
Geschäfts-
führer der Schuster Schalk
GmbH. Gegründet wurde das
Unternehmen von Schalks Va-
ter, ebenfalls ein Schuhma-
cher-Sohn, in den 1950ern als
Ein-Mann-Betrieb. Die Grün-
dung erfolgte in einer Zeit,
als es noch üblich war, Schu-
he fertigen und auch reparie-
ren zu lassen. „Mittlerweile
machen die Reparaturen nur
mehr rund zehn Prozent unse-
rer Arbeit aus und die Tendenz
sinkt deutlich“, erzählt Schalk
junior. Mit seiner breiten Pro-
duktpalette und dem ortho-
pädischen Schwerpunkt ge-
lingt es Schuster Schalk trotz-
dem, seit vielen Jahren gleich-
bleibend rund 50 Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter zu be-
schäftigen – in zwei Filialen in
Graz und einer in Leoben.
Neben den orthopädischen
Schuhen punktet Schuster
Schalk mit der Eigenmar-
ke Soccci. Dabei handelt es
sich um Kinderschuhe aus at-
mungsaktivem, natürlich ge-
gerbtem Leder, liebevoll de-
signt als Drache, Fee oder
im coolen Turnschuh-Look.
Socccis sind aber nicht nur ein
modisches Accessoire, son-
dern unterstützen den kind-
lichen Fuß in seiner Entwick-
lung. Socccis zu tragen ist wie
barfuß gehen – nur wärmer.
Unzählige soccci Kinderschu-
he trippeln bereits über ös-
terreichische Böden – rund
8.000 Paare werden jährlich
produziert. Ein beachtlicher
Teil findet seinen Weg auch
nach Deutschland und Italien,
in die Schweiz und sogar bis
nach China.
Aufgezeichnet von
Ursula Jungmeier-Scholz
Fotos: Bergmann, Harry Schiffer, Daniela Jakob, Peter Melbinger
www.schusterschalk.atHier drückt
kein
Schuh
SCHUSTER SCHALK GMBH,
GRAZ UND LEOBEN
www.design.gamerith.atATELIER RAIMUND GAMERITH, GRAZ
Die
Aussprache
des Holzes
Raimund Gamerith hat sein
Handwerk, die Tischlerei, in
Graz und Umgebung von der
Pike auf gelernt. Sowohl Tei-
le der Werkstatt als auch der
Schauraum sind nun im Ateli-
er Gamerith in der Grazer Ja-
koministraße angesiedelt. Der
Schauraum ist nicht als Ver-
kaufsauslage gedacht, sondern
hier werden die verschiedenen
Arbeitsprozesse sichtbar ge-
macht und umgesetzt. Game-
rith ist es auch ein Anliegen,
dass der Kunde seine Möbel
eigenhändig mitgestaltet. Das
beginnt bei der Auswahl des
richtigen Holzes bzw. seiner
Maserung. Beim Nuss-Holz
ist sie etwa abhängig davon,
wie schnell der Baum gewach-
sen, ob er auf trockenem oder
feuchtem Boden, einzeln auf
einer Wiese oder im Wald ge-
standen ist. Dementsprechend
ist das „Holzbild“ schlicht oder
eher bewegt. Gamerith nennt
das die Aussprache des Hol-
zes. Ein weiterer Punkt bei
der Identifikation des Kunden
mit dem Produkt sind die Hö-
hen und Proportionen, etwa
bei Tischfüßen. Nicht jeder
Kunde will mitgestalten, doch
bei einer Phase sind sie meist
alle zugegen: Wenn nach dem
Feinschliff die erste Ölschicht
aufgetragen wird.
Im Jahresdurchschnitt sind
zwei Mitarbeiter samt Chef am
Werk. Steht ein größeres Pro-
jekt an, wird ein Belegschafts-
Netzwerk hochgefahren. Wird
überhaupt eine (Klein-)Serie
geordert, so fertigt Gamerith
den Prototypen und vergibt
die Herstellung der weiteren
Stücke an befreundete Tisch-
ler, die dann in der reinen Her-
stellung günstiger arbeiten.
Gamerithmuss sichmehr oder
minder dem Diktat der Zeit
fügen − fixe Arbeitsschritte
bzw. Handgriffe werden zu-
nehmend durch Roboter er-
ledigt. Gegen eine CNC-Fräse
kommen seine bewusst weni-
gen Apparate im Atelier eben
nicht an. Dies möchte er aber
auch gar nicht. Denn dadurch
kann er sich auf seine Stärken
konzentrieren, „es bleibt mehr
Zeit für das Wesentliche“. Und:
Gamerith sieht eine Zukunft
für das Tischler-Handwerk,
wenn sich die Persönlichkeit
des Menschen im Werkstück
widerspiegelt. Die natürlichen,
unverwechselbaren Möbel ge-
ben den Benützern ein gutes,
authentisches Lebensgefühl.
Die Nische nützt Gamerith mit
seinem kleinen Betrieb gezielt.
Aufgezeichnet von
Walter Hoch




