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OLLEN

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styria 57

2016

Fotos: Pia Adlassnig

regionale Wirtschaft brauche

ich, um eine Region zu sta-

bilisieren, damit ich globa-

le Geldbringer halten kann?

Das ist die entscheidende Fra-

ge.

Kainz:

Für mich ist die ent-

scheidende Frage, wie brin-

ge ich die Menschen zum re-

gionalen Denken, im Wissen,

dass es ein globales Spiel ist?

Lebensmittel würde ich ganz

stark regional forcieren. Ich

glaube, dass man da in der

Schule ansetzen muss – es ge-

schieht zwar schon viel, aber

da müssen wir weitertun.

Steuern lässt es sich nicht,

es hängt von jeder einzelnen

Person ab. Die Zeiten der Zöl-

le sind vorbei. Das heißt: Es

geht nur über das Bewusst-

sein. Ich will ein Argument

nicht gelten lassen: Damit ich

mir das leisten kann, kau-

fe ich das billige Zeug von ir-

gendwo. Das ist kein ehrliches

und faires Argument, weil

das Geld für andere Dumm-

heiten ausgegeben wird.

Perspektiven

Kainz:

Wir verdienen 80 Pro-

zent unseres Geldes interna-

tional. Wir bringen es hierher

und geben es hier in der Stei-

ermark aus. Mein Anliegen

ist, dass man möglichst viel

davon für die Steiermark aus-

gibt. Ich bin bei der Frau Mat-

zer, bleibe aber international.

Matzer:

Sehr oft wird regio-

nale Wirtschaft durch globa-

le Wirtschaft verdrängt. Es

lässt sich nicht über Regle-

mentierungen in den Griff be-

kommen. Schutzzölle gab es

im Mittelalter, diese Zeit ist

vorbei. Es muss über die Be-

wusstseinsebene gehen. Das

Problem ist nur, dass die Ma-

nipulation durch einige weni-

ge einer Bewusstseinsbildung

in breiten Bevölkerungsschich-

ten entgegensteht.

Wir müssen die Verteilungs-

problematik sowohl regional

als auch global aktiv anpa-

cken und positiv lösen. Wenn

wir das nicht schaffen, wird

sich Geschichte wiederholen.

Wenn Geld und Kapital global

und regional sich nur in eine

Richtung bewegen, und zwar

von unten – von der breiten

Bevölkerung – nach oben zu

einigen wenigen, dann wird

es langfristig nicht mög-

lich sein, sozialen Frieden zu

schaffen.

Kainz:

Die meisten Menschen

verstehen die wirtschaftlichen

Zusammenhänge nicht und

werden dann noch durch fal-

sche Information von verschie-

denen Organisationen mani-

puliert. Es ist eigentlich ein-

fach: In Österreich darf jeder

Mensch entscheiden, wann,

wo und was er kauft. Es ist

niemand gezwungen, außer

durch den sozialen Druck.

Wir müssen es zustande brin-

gen, dass die Menschen diese

Systematik verstehen.

#

„Globalisierung ist einfach

nicht mehr wegzudiskutieren.“

„… wir müssen immer denken:

‚Das Gute ist so nah.‘“