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OLLEN

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styria

2016

Bürokratie: Ich darf mir

ja was

wünschen

VERENA ENNEMOSER + GERALD GOLLENZ

Mag. Verena Ennemoser ist

Leiterin der Bau- und Anla-

genbehörde der Stadt Graz.

Gerald Gollenz ist

Immobilienentwickler und

Obmann der Fachgruppe Im-

mobilien- und Vermögens­

treuhänder in der WKO Stei-

ermark sowie stv. Obmann

im Fachverband.

Verena Ennemoser:

Als Im-

mobilienentwickler würde ich

Grundstücke aussuchen, die

nicht so schwer bebaubar sind,

also solche, wo etwas möglich

ist. Viele suchen sich Grund-

stücke aus, die immer wie-

der zur Baubehörde kommen,

weil sie ungemein schwer so

zu entwickeln sind, dass eine

Dichte möglich ist, bei der

Entwickler auch etwas verdie-

nen können.

Gerald Gollenz:

Die Baube-

hörde stößt erst dann zu ei-

nem Projekt, wenn die wich-

tigsten Entscheidungen be-

reits getroffen sind. Als Leiter

der Behörde würde ich darauf

schauen, dass ich viel früher

zum Projekt stoße. Ich würde

auch darauf Wert legen, dass

das städteplanerische Leitbild

wesentlich früher auf dem

Tisch liegt, weil es bereits Vor-

gaben enthält, die es dem Bau-

träger erleichtern, Entschei-

dungen vor dem Kauf der Lie-

genschaft zu treffen. Ich hät-

te als Bauamt nichts gegen

schwierige Projekte, weil sie

einfach reizvoller sind.

Ennemoser:

Das städtepla-

nerische Leitbild wäre für

mich als Immobilienentwick-

ler bzw. Planer nicht der Ide-

alfall, weil ich mich zu früh

festlegen müsste. Das wäre

eine Normenüberflutung, die

mich komplett einschränkt

und mir zu einem späteren

Zeitpunkt eigentlich keinen

Spielraum lässt.

Gollenz:

Als Behörde hätte ich

mir Wien zum Vorbild genom-

men. Dort gibt es ein Plando-

kument, in dem zu 90 Prozent

alles enthalten ist, was der Ei-

gentümer wissen muss. Damit

gibt es Rechtssicherheit. Wenn

es Rechtssicherheit gibt, tue

ich mir als Behörde leichter.

Der Käufer weiß von vornhe-

rein, was geht und was nicht.

Ennemoser:

Das kann ich als

Planer schon heute machen

und hole mir eine §5-Beschei-

nigung, in der alles beschrie-

ben ist – Dichte, Grenzen etc.

– und kann dann schon vorab

alles überblicken.

top of styria:

Die einen sind

Gefangene der Regelwerke, die

die anderen nicht verstehen

können. Jeder macht also, was

er tun muss?

Ennemoser:

Die Baubehör-

de in Graz entscheidet auf

Grundlage von Gesetzen, die

von Bund oder Land kommen.

Da kann nicht viel getan wer-

den. Die Stadtplanung hätte

die Freiheit zuzulassen – sie

macht die Regelwerke selbst.

Gollenz:

Deswegen würde

ich mich als Baubehörde viel

mehr auf die Privatsachver-

ständigen verlassen.

Ennemoser:

Ich würde Druck

machen, dass diese Leute or-

dentlich ausgebildet sind, weil

es gerade im Baubereich eine

Gesetzesflut mit Normen und

OIB-Richtlinien etc. gibt, die

kaum mehr ein Architekt

überblickt. Die Baubehörde

ist dann wirklich arm, weil

sie

nachhelfen

und Nach-

besserungen einfordern muss.

Bei großen Projekten würde

ich versuchen, einen Termin

außerhalb des Amtstages mit

meinen Sachverständigen zu

finden, um das Projekt vorzu-

besprechen und der Behörde

klarzumachen, was für mich

und für die Stadt wichtig ist,

um alles gut hinzubekommen.

Gollenz:

Als Baubehörde wür-

de ich darauf achten, dass

am Amtstag alle Mitarbeiter

da sind, möglichst ohne Aus-

nahmen. Als Behörde würde

ich andererseits noch mehr

auf die Planer zugehen, um

die Normen gemeinsam aus-

zuräumen und zu versuchen,

die Baugesetze zu vereinfa-

chen. Dass es neun Baugeset-

ze gibt, werden wir im födera-

len Österreich nicht ändern.

Das Ziel muss sein, dass es im-

mer nach dem gleichen Sche-

ma abläuft. Der Planer als

Privatsachverständiger soll-

te dann auch in der Lage sein,

ein Projekt einzureichen, das

die Behörde eins zu eins über-

nehmen kann.

Ennemoser:

Das sind schöne

Wünsche …

Gollenz:

Ich darf mir ja was

wünschen.

top of styria:

Wünsche sind ja

der Anfang von Ergebnissen …

Gollenz:

Ich würde aber als

Behörde nicht davor zurück-

schrecken, falls jemand wis-

sentlich etwas falsch macht,

das auch entsprechend zu

sanktionieren.

Ennemoser:

Das tun wir. Als

Bauwerber würde ich sagen,

dass mir die Auflagen zu viel

sind. Ich hätte es gerne ein-

facher, ein einfacheres Regel-

werk, das feiner mit dem Land

abgestimmt ist. Ich würde als

Bauwerber meine Mitarbei-

ter auch mehr dazu anhalten,

für vollständige Unterlagen zu

sorgen – durch das Aktentra-

cking habe ich ja den Einblick

–, damit es schneller geht.

Gollenz:

Es dürfte gar nie pas-

sieren, dass irgendetwas fehlt,

wenn es klare Richtlinien da-

für gibt, was einzureichen ist,

ein kompletter Maßnahmen-

katalog. Vielleicht schaukeln

sich die Abteilungen ja auch

gegenseitig etwas hoch.

top of styria:

Gibt es nicht

auch Sachverständige, die eine

gewisse Lust an den komple-

xen Normen haben, die nur sie

kennen?

Ennemoser:

Das sind aber

nur wenige.

Gollenz:

Das sind dann eher

beigezogene Sachverständige

in kleinen Gemeinden.

Ennemoser:

Ich würde for-

dern – und da ist das Land am

Zug –, dass Baugesetze für den

städtischen Raum einen et-

was urbaneren Touch brau-

chen. Zum Beispiel die heran-

rückende Bebauung zwischen

Wohn- und Gewerbegebieten.