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of

styria

2016

O

RIGINAL

www.schneiderei-rosina.at

Wenn Kostüm, Abendkleid,

Tracht und Brautkleid perfekt

passen sollten, aber auch ein-

fach wenn der Reißverschluss

der Jeans klemmt, ist Rosina

Haiders Kompetenz gefragt.

Sie betreibt eine Maßschnei-

derei in Mürzzuschlag, die

allen Modediskontern zum

Trotz so floriert, dass Haider

sich mit dem Gedanken trägt,

demnächst eine Absolven-

tin der Modeschule anzustel-

len. Für die Reparaturarbei-

ten beschäftigt sie bereits seit

Jahren eine Mitarbeiterin.

Haider selbst hat sich vor 27

Jahren selbstständig gemacht,

weil ihr in ihrem vorherigen

Job die Möglichkeit zur kre-

ativen Entfaltung gefehlt hat.

Die hat sie nun in der eigenen

„Schneiderei Rosina“ – und die

Kundschaft weiß das zu schät-

zen. Da gibt es Stammkun-

dinnen, die in jedem Frühjahr

und Herbst einen Stoff mit-

bringen, um sich daraus etwas

Passgenaues nähen zu lassen.

Längst frequentieren auch

Wienerinnen, die das Wochen-

ende am Semmering verbrin-

gen, den Laden am Stadtplatz

mitten in Mürzzuschlag. An

Rosina Haider wenden sich

aber auch Frauen aus der Um-

gebung, die beispielsweise von

der Oma ein Dirndl geerbt ha-

ben, das sie nun an ihre Kör-

perform und die herrschende

Mode angepasst haben möch-

ten. „Tracht ist von der Jugend

auf bis ins Alter gefragt“, er-

zählt die Schneidermeisterin.

„Rund 80 Prozent der Maßmo-

de, die ich anfertige, ist Trach-

tenmode.“ Dazu zählen neben

dem Dirndl auch Gilets, Geh-

röcke und Hosenanzüge.

Sogar ein Trend zum Repa-

rierenlassen zeigt sich in den

letzten Jahren. Nachhaltig-

keit ist in puncto Mode ein

zunehmend wichtiges Thema

– auch für Haider, deren Be-

trieb zu den „Friends of Fair

Fashion“ zählt. Das bedeu-

tet, dass die Schneiderin ver-

sucht, für ihre Hochschwab-

dirndln, Ennstaler Festtags-

trachten und Co, wo immer

möglich, regional erzeugte

Stoffe zu verarbeiten. Was ihr

noch wichtig ist? „Das Ver-

trauensverhältnis zwischen

Schneiderin und Kundschaft

… und natürlich die Genau-

igkeit der Arbeit. Wenn das

Gewand am Ende nicht per-

fekt sitzt, brauch ich ja keine

Maßschneiderin.“

Aufgezeichnet von

Ursula Jungmeier-Scholz

MASSSCHNEIDEREI ROSINA HAIDER,

MÜRZZUSCHLAG

Perfektion

am Leib:

Maßarbeit bleibt Mode

www.kachelofen-stoisser.at

Der Bau von Kachelöfen aus

verschiedenen Schamott-Arten

– das so genannteVersetzen – ist

die Haupttätigkeit von Walter

Stoißer in Gnas. Der Absolvent

der Fachschule für Keramik

und Ofenbau an der Ortwein-

schule in Graz beschäftigte in

den vergangenen Jahren bis

zu fünf angestellte Mitarbeiter

und bildete mehrere Lehrlinge

aus. Der Preisdruck hat Stoißer

aber nunmehr dazu veranlasst,

die Arbeit mit Leiharbeitskräf-

ten, deren Zahl je nach Auftrag

schwankt, zu bewältigen. „Die-

se Arbeiter sind aber geschult,

meistens ‚leihe‘ ich sie von be-

freundeten Hafnern, weil Lehr-

linge mit der nötigen Qualität

heutzutage nur schwer zu fin-

den sind“, so Stoißer.

Der Kreativ-Bereich seines Be-

triebes, die Kunst-Keramik, bil-

det rund zehn Prozent des Ge-

samtgeschäftes. Das Grundma-

terial stammt aus den Tongru-

ben des deutschen Westerwal-

des und wird spezifisch nach

Stoißers Wünschen aufbereitet.

Ein weiteres Standbein sind

Kurse, bei denen die Teilneh-

mer in der Hafner-Werkstätte

unter fachkundiger Anleitung

selbst als Gestalter ans Werk

gehen. Dabei geht es vor allem

um Farbe und Form. „Derzeit

ist Fengshui der große Trend.

Dabei entwickeln wir die Pro-

portionen und den Aufstell-

platz aus der Raumsituation

heraus“, so Stoißer, „der Hun-

dertwasser-Stil mit unregelmä-

ßigen Kurven und eher kalten

Farben hat inzwischen etwas

an Bedeutung verloren.“

Die Zukunft seines Handwerks

ist für Stoißer jedenfalls ge-

sichert, es gäbe mehr Aufträ-

ge als in anderen Handwerks-

bereichen. Und das, obwohl

industriell gefertigte Fliesen

und Kacheln nur ein Zehn-

tel der handgemachten kos-

ten. Zum besonderen Service

für die Ofen-Kunden gehört

auch die Typisierung. Die nöti-

gen Schritte nimmt ein befug-

ter Sachverständiger vor: von

der ersten Untersuchung über

die technische Planung bis zur

Einreichung für die Typisie-

rung und die Prüfplakette. Die-

se Dienstleistung ist auch ein

Wettbewerbsvorteil gegenüber

kostengünstigen Hafnern aus

Ungarn oder Slowenien, für

die dieser Aufwand zu hoch ist.

Der Schlusspunkt ist dann die

erfolgreiche Abnahme des in-

dividuell gebautenOfens durch

einen Rauchfangkehrer.

Aufgezeichnet von

Walter Hoch

Fengshui oder lieber

Hundertwasser?

KACHELÖFEN STOISSER, GNAS