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styria
2013
Fotos: beigestellt
S
cheitern gehört
zum
Leben,
so sagt man
– wenn mög-
lich aber nicht zum eige-
nen. Über das Scheitern
wird nicht gerne gespro-
chen oder nachgedacht
und das, obgleich sich pa-
rallel eine Skandalisie-
rungs- und Kontrollkul-
tur entwickelt, in der das
Scheitern anderer zur Un-
terhaltung dient und eine
Beschneidung von Eigen-
verantwortung und -ini
tiative unter dem Deck-
mantel von Compliance,
Governance und Trans-
parenz vollzogen wird. In
einer bewegten Erfolgsge-
sellschaft wird dem Schei-
tern der Platz eines lästi-
gen
Hintergrundgeräu-
sches zuteil und das, ob-
wohl es lauter ist als je zu-
vor. Der Arbeitsalltag ist
geprägt von Dynamik, die
es nicht ermöglicht, auf
alle Eventualitäten vor-
bereitet zu sein. Berufli-
che Karrieren sind längst
nicht mehr so berechen-
bar wie einst und bedin-
gen, sich auch ohne langjährige Expertise in neue Tätigkeits-
bereiche zu wagen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit des
Scheiterns und zugleich wird sichtbar, dass eine Ursache des-
sen in der Entschlossenheit steckt, Neuland zu betreten. Die-
ser Beitrag soll keine Lobeshymne auf das Scheitern darstel-
len, sondern die Doppelbödigkeit in der europäischen Betrach-
Mut zeigen
tung des Scheiterns aufzei-
gen. Denn zum einen gelten
Innovation und Eigenverant-
wortung als äußerst erstre-
benswert, doch zum anderen
wird die damit einhergehen-
de Möglichkeit des Scheiterns
weder diskutiert noch ak-
zeptiert. Scheitern sollte Be-
standteil von Entwicklungs-
prozessen und unternehme-
rischer Tätigkeit sein, jedoch
scheint die europäische (wie
die asiatische) Kultur einen
fruchtbaren Umgang damit
zu erschweren. So geht Schei-
tern in Asien mit Gesichts-
verlust und in Europa mit
Schuldzuweisung und Stig-
matisierung einher, während
andere Kulturen darin die
Möglichkeit des Lernens und
Verbesserns orten.
Warum aber wird in unseren
Breiten die Perfektion hoch
gelobt und das Scheitern ein-
seitig negativ betrachtet? Ein
Grund dafür mag sein, dass
in leistungsorientierten Ge-
sellschaften der Status einer
Person nicht selten an deren
beruflichem Erfolg gemessen
wird. Das wiederum hat zur
Kehrseite, dass berufliches
Scheitern mit Status- und
Selbstwertverlust verbun-
den wird. Wenig verwunder-
lich also, dass niemand ger-
ne scheitert. Dennoch, Schei-
tern lässt sich nicht verhin-
dern, doch kann aus Fehlern
gelernt werden.
Um an Niederlagen zu wach-
sen, muss aber zum einen
richtig mit diesen umgegan-
gen werden, und zum ande-
ren ist eine Fehlerkultur nö-
tig, die eine entsprechende
Aufarbeitung zulässt.
Hinsichtlich des individuel-
len Umgangs braucht es zu al-
lererst Bewusstsein für die ei-
genen Fehler – ohne sich von
diesen lähmen zu lassen. In
Analogie zu Donald und Da-
gobert Duck gilt es, nicht zu
lange zu grübeln, sondern
zu handeln und einmal mehr
aufzustehen als zu fallen. In
Synthese betrachtet, skiz-
zieren Donald und Dagobert
wohl einen erstrebenswerten
Weg, mit Misserfolg umzu-
gehen: Während Donald mit
seinem
unnachahmlichen
Geist das klassische Stehauf-
männchen gibt, verkörpert
Dagobert sein Gegenüber, das
es versteht Geld einzutrei-
ben, konsequent zu sein und
wirtschaftliche Ziele in den
Vordergrund zu rücken. Bei-
de brauchen einander: Da-
gobert lagert das Scheitern
zu Donald aus und Donald
lässt
sich beim Wiederaufste-
hen von Dagobert unter die
»
Sabine Bergner
Alfred Gutschelhofer
Der fünfte Jahrestag des Finanzdebakels um die Lehman Bank bringt gewich-
tige Fragen zurück: Wie lässt sich Fehlverhalten vermeiden, kann Scheitern
verhindert werden? Es ist ein schmaler Grat, der Scheitern von Erfolg trennt –
dies wissen insbesondere Manager und Unternehmer, die mitunter aus Angst
vor dem Scheitern innovative Wege erst gar nicht beschreiten.
Wieder Aufstehen –
die Kultur des Scheiterns