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styria
2013
Illustration: Mirko Maric´
Mut zeigen
»
Arme greifen. Nicht zu
kurz kommt bei beiden die
Fähigkeit, über sich und ihre
Fehler zu lachen, und so der
Peinlichkeit des Scheiterns
den Wind aus den Segeln zu
nehmen.
Aber im Umgang mit Misser-
folgen sind auch Erfahrun-
gen und persönliche Einstel-
lungen bedeutsam. So zeigt
sich, dass frühes Scheitern
den Aufbau von Bewälti-
gungsstrategien forciert und
die Anpassungsfähigkeit des
einzelnen fördern kann, was
in gewisser Weise das „Über-
leben am Markt“ begünstigt.
Persönliche Einstellungen de-
terminieren hingegen Selbst-
wert sowie Selbstvertrauen,
die bei der Aufarbeitung von
Misserfolgen eine große Rol-
le spielen und zudem die eige-
ne Fehlertoleranz mitbestim-
men. Zudem muss der Um-
gang mit dem Scheitern auch
gelernt werden, wodurch die
Initiierung der Gruppe der
„anonymen Insolvenzler“ und
deren Versuch, eigene Fehler
und Misserfolge erfolgreich
ve Emotionen des Gestaltens
und Erreichens hervorgeho-
ben. Mit Blick auf die aktuelle
Wirtschaftslage, die vermut-
lich noch einige Möglichkei-
ten zum Scheitern bringt, be-
vor mit stabilem Wachstum
gerechnet werden kann, ist
aber gerade hier Umdenken
wünschenswert, das letztlich
allen konstruktiv selbststän-
dig handelnden Wirtschafts-
treibenden zu Gute kommen
würde. Vergangene Niederla-
gen zeigen nämlich, dass bei
geringer Volatilität im Risiko-
verhalten oft schon einzelne
Fehler zu fatalen Auswirkun-
gen führen können. Zudem
wurde deutlich, dass Ent-
scheidungen oftmals nicht
rational, sondern eher emoti-
onal gefällt werden – und ge-
rade hier ist die Angst vorm
Scheitern ein schlechter Rat-
geber. Wenn es also gilt, dem
Risiko zu begegnen und sich
der Möglichkeit des Schei-
terns auszusetzen, darf nicht
außer Acht gelassen wer-
den, dass Scheitern nur ver-
hindert werden kann, indem
Risikokompetenz aufgebaut
wird. Nicht ohne Grund be-
schäftigen sich führende Wis-
senschaftler, wie Kahneman
oder Gigerenzer, mit der Fä-
higkeit, Risiko adäquat ein-
zuschätzen – und selbstver-
zu bewältigen, beinahe schon
als Lerninitiative betrachtet
werden kann.
Um aus Fehlern zu lernen,
braucht es aber auch eine po-
sitive Fehlerkultur, in der
Scheitern für den Mut steht,
Neues auszuprobieren, denn
Fortschritt entsteht eben oft
erst durch Fehler. Ganz im
Sinn des amerikanischen „a
break down is the first chan-
ce for a breakthrough“ soll
Scheitern als Möglichkeit zur
Entwicklung gesehen wer-
den. Hier darf man sich in
Österreich noch Veränderung
wünschen: So zeigt eine in-
ternationale Studie zur Feh-
lertoleranz
in
Unterneh-
men, dass die deutschspra-
chigen Länder unter den teil-
nehmenden Nationen auf den
letzten Plätzen rangieren und
zu den Fehlerverächtern ge-
hören. Es scheint, als ob pro-
blemorientierte Sichtweisen
vorherrschen, durch die in
den Vordergrund rückt, was
schiefgehen könnte bzw. was
nicht möglich ist. Viel zu sel-
ten werden dagegen positi-
ständlich nehmen hier die ei-
gene Verantwortung und das
Vertrauen in die Zukunft zen-
trale Rollen ein. Wo Zukunft
kreativ und proaktiv gestal-
tet werden soll, ist ein positi-
ver Umgang mit Misserfolgen
unabdingbar.
Alfred Gutschelhofer war
von 2003 bis 2011 Rektor
der Karl-Franzens-Uni-
versität Graz. Seit 2011 ist
er Leiter des Instituts für
Unternehmensführung
und Entrepreneurship so-
wie Leiter des Zentrums
für Entrepreneurship und
angewandte Betriebswirt-
schaftslehre der Karl-
Franzens-Universität
Graz.
Sabine Bergner ist Psy-
chologin und arbeitet als
Universitätsassistentin
am Institut für Unterneh-
mensführung und Entre-
preneurship der Karl-
Franzens-Universität
Graz sowie als research
fellow an der Management
School Ashridge (UK). Sie
lehrt weiters an unter-
schiedlichen österreichi-
schen Universitäten und
Fachhochschulen und
berät in Hinblick auf ihre
Forschungsschwerpunkte.