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styria
2016
Foto: Werner Krug, www.derkrug.at
Die Zukunft des Handels.
Oder: Hat
Handel
Zukunft?
Roland Fink ist Geschäftsfüh-
rer der niceshops gmbh, die
auf die Entwicklung von On-
lineshops spezialisiert ist.
Wir leben in einer Welt des
Wandels, immer stärker und
immer schneller verändern
Technologien unsere Gesell-
schaft. Dabei steht gerade der
Handel vor einschneidenden
Veränderungen.
Logistik – schneller,
weiter, einfacher
Fahrerlose autonome Fahr-
zeuge sollen laut den großen
Automarken schon ab 2020 se-
rienreif sein. Das wird die Lo-
gistik massiv verändern. Die
Kosten in ihrer Gesamtheit
werden durch Personalein-
sparungen, aber auch durch
die Elektromobilität sinken
und damit einhergehend wird
E-Commerce noch schneller
an Bedeutung gewinnen. Pa-
kete, die quer durch ganz Eu-
ropa geschickt werden, ver-
ändern unser Konsumverhal-
ten. Die Internationalisierung
von Onlineshops schreitet zü-
gig voran und so ist absehbar,
dass wir bald in ganz Europa
„regional“ einkaufen.
Der Wettbewerb wird noch
einmal um einiges stärker und
die Gewinner werden die sein,
die das beste Service an die
Frau oder den Mann bringen.
Wenn wir heute von autono-
men Fahrzeugen sprechen,
dann geht es nicht bloß dar-
um, in ein Fahrzeug zu stei-
gen und sich kutschieren zu
lassen.
Vielmehr geht es um eine dis-
ruptive Entwicklung, die eine
gesamte Industrie umkrem-
peln wird; es geht um die ge-
meinsame Nutzung der Fahr-
zeuge durch viele Personen.
Sie werden Ihr Fahrzeug ein-
fach vermieten, statt es am
Parkplatz stehen zu lassen
und dadurch Einnahmen ge-
nerieren. Das führt dazu,
dass viel weniger Fahrzeuge
benötigt werden und genau
das bringt die Fahrzeugin-
dustrie ins Wanken – in Ver-
bindung mit der Elektromo-
bilität kommt hier auf die eu-
ropäischen Autokonzerne ei-
niges zu. Für die Vermittlung
der Vermietung der Fahrzeu-
ge kommen Konzerne wie
Uber ins Spiel – und genau
hier liegt auch der Grund für
die scheinbare Überbewer-
tung der Aktie von Uber.
43 Prozent aller Jobs stehen
im Zusammenhang mit Mobi-
lität, ob im öffentlichen Ver-
kehr oder in der Logistik.
Hier gibt es auch eine Ver-
antwortung für unsere Ge-
sellschaft und für die Politik.
Hunderttausende Arbeitsplät-
ze sind in den nächsten Jahr-
zehnten in Gefahr. Höherqua-
lifizierung allein ist nicht die
Antwort, hier braucht es neue
Modelle. Politik und Gesell-
schaft sind gefordert, Antwor-
ten zu geben.
Eine schnellere und bessere
Logistik wird aber auch dazu
führen, regionale Player – wie
zum Beispiel unsere vielen
Direktvermarkter – schneller
und einfacher zu den Konsu-
mentInnen zu bringen. Hier
heißt das Zauberwort Conve-
nience – das bedeutet nichts
anderes als Gemütlichkeit. Es
ist noch nicht convenient, für
Brot, Milch, Eier und Fleisch
vier Bauern anzufahren. Das
wird sich ändern – denn es
wird einfacher.
Convenience – wir sind
einfach zu bequem …
Toilettenpapier, Putzmittel, Ge-
tränkekisten, Blumenerde …
Diese Produkte bieten sicher
kein Einkaufserlebnis, es liegt
auf der Hand, dass sie nach
und nach aus den Sortimen-
ten im stationären Handel
verschwinden. Es ist bequem,
wenn diese Produkte vor der
Haustür stehen, wenn man sie
braucht. Auch das wird eine
große Herausforderung für
den Handel, weil die Industrie
sich hier ihre Margen sichern
und über kurz oder lang direkt
zu den EndkundInnen verkau-
fen wird. Welchen Sinn macht
schließlich der Zwischenhan-
del, wenn große Brauereien
direkt zu EndkundInnen lie-
fern können …
Soviel ist klar – viele Sorti-
mente wird die Industrie in
Zukunft direkt zu den End-
kundInnen bringen. Hier ist
der Handel gefordert, ver-
nünftige Antworten zu fin-
den. Service ist eine der we-
sentlichen Lösungen dafür.
Amazon macht es mit seinen
„Dash Buttons” vor – Knöpf-
chen auf der Waschmaschi-
ne drücken und am nächsten
Tag, in den Städten vielfach
noch am gleichen Tag, ist das
Waschmittel vor der Haustür.
Bosch Haushaltsgeräte wird
diese Funktion gleich direkt
in die Geräte integrieren; die
kostenlose Waschmaschine
und im Gegenzug das kosten-
pflichtige Abo fürs Wasch-
mittel sind eine absehbare
Entwicklung. Hier rüstet sich
die Industrie und bringt sich
mit neuen Geschäftsmodellen
in Stellung.
Innovation & Service
müssen die Antworten
sein
Der Handel muss mit Inno-
vation und Service kontern,
nur dann gibt es Überlebens-
chancen und das gilt für die
E-Commerce-Player genauso
wie für stationäre Händler
Innen. Zalando bietet heu-
te für Einkäufe vom 1. 11. bis
zum 31. 12. 2016 eine Rück-
gabemöglichkeit bis zum 31.
1. 2017. Ihre Produkte kön-
nen Sie auf Rechnung kaufen,
per Paypal, Kreditkarte oder
mit vielen anderen Zahlungs-
möglichkeiten. Der Erfolg von
E-Commerce-Projekten wie
„outfittery” oder auch „Zalon”
von Zalando, bei denen Sie
ganz einfach von so genann-
ten Modeexperten von Kopf
bis Fuß eingekleidet werden,
ohne vorher zu wissen, wel-
che Kleidung Sie bekommen,
ist eigentlich ein Hohn für
den stationären Modehandel.
Schließlich ist genau das die
ROLAND FINK




