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styria

2016

JOHANN HARER

Humantechnologie

prägt

die Zukunft

Dr. Johann Harer war

lange Jahre im Top-Manage-

ment internationaler Phar-

makonzerne (u.a. bei Roche

Diagnostics) und ist seit 2015

Geschäftsführer der Cluster-

organisation Human.techno-

logy Styria GmbH (HTS).

Dass die Steiermark zu den Re-

gionen mit der höchsten For-

schungsquote in Europa zählt,

ist mittlerweile allgemein be-

kannt. Warum das so ist? Weil

in unserem Bundesland Wirt-

schaft und Wissenschaft engs-

tens zusammenarbeiten. Ge-

rade die Humantechnologie

mit ihren Medizin-, Biotech-

und Pharmaprodukten ist ein

Bereich, der extrem hohe For-

schungsaufwendungen erfor-

dert. Deshalb begannen die

Verantwortlichen schon vor

mehr als zehn Jahren mit dem

Aufbau des Humantechnolo-

gie-Clusters, damit die bis da-

hin oft unentdeckten und un-

verbundenen Potenziale der

Forschungseinrichtungen

auch wirtschaftlich verwer-

tet werden konnten. Aktuell

zählt der Cluster Human.tech-

nology Styria (HTS) mehr als

100 Mitgliedsorganisationen

und die Gesamtbranche erzielt

mit rund 34.000 Mitarbeitern,

davon 17.500 im Bereich der

Landeskrankenanstalten des

Landes Steiermark, rund 3,5

Mrd. Euro Jahresumsatz. In

den letzten Jahren haben sich

vor allem zwei Stärkefelder

herauskristallisiert, die den

Standort Steiermark im Zu-

sammenwirken von Wissen­

schaft und Wirtschaft von an-

deren Standorten weltweit un-

terscheiden: MedTech sowie

Pharma- und BioTech.

Stärkefeld Pharma-

und BioTech

Die steirischen Zulieferbetrie-

be, Anlagenbauer und Prozess­

entwicklungsspezialisten für

die Pharma- und BioTech-

Branche zählen heute zu den

europaweit führenden Betrie-

ben. Unternehmen wie M&R,

VTU und ZETA sind längst in-

ternational etabliert und das,

was man als „Hidden Cham-

pions“ bezeichnet. So haben

sich die beiden Anlagenspe-

zialisten VTU und ZETA in-

nerhalb der letzten 20 Jahre

von kleinen Engineering-Bü-

ros zu etablierten Mittelständ-

lern mit mehreren hundert

Mitarbeitern und Niederlas-

sungen auch im Ausland ent-

wickelt. Stölzle Oberglas, das

traditionsreiche Glasproduk-

tionsunternehmen, ist heu-

te weit davon entfernt, billige

Massenware zu liefern. Es lie-

fert zwar noch immer riesige

Mengen an Glasprodukten, al-

lerdings in höchster Qualität

und das auch an internationa-

le Pharmaunternehmen. Sol-

che Unternehmen sindmit G.L.

Pharma und Fresenius Kabi

auch in der Steiermark prä-

sent, begleitet von vielen klei-

neren Firmen, die Spezialpro-

dukte im Medikamenten- und

Nahrungsergänzungsbereich

entwickeln, produzieren und

vertreiben.

Auch die Forschung kann sich

international sehen lassen.

Die besonderen Stärken liegen

dabei in der Prozess-Entwick-

lung, -Optimierung und -Si-

mulation, im Biomarker-Re-

search für die Therapeutika-

Entwicklung und in der indus-

triellen Biotechnologie. In die-

sem Stärkefeld ist die Koopera-

tion der universitären und au-

ßeruniversitären Forschungs-

zentren – herausragend RCPE

und acib – mit der Wirtschaft

besonders intensiv und führt

dazu, dass auch internatio-

nale Großunternehmen in die

Steiermark kommen, um mit

den Forschern bei Zukunfts-

themen aus der „industriellen

Biotechnologie“ ebenso wie im

Bereich „personalisierte Me-

dizin“ zusammenzuarbeiten.

Gerade in der „personalisier-

ten Medizin“ ergeben sich un-

geahnte Möglichkeiten. Wur-

de in der Vergangenheit zum

Beispiel Krebs undifferenziert

behandelt, kann diese Krank-

heit nun wesentlich gezielter

bekämpft werden. Etwa durch

Medikamente, die nur mehr

spezifisch erkrankte Zellen

angreifen. Geht man noch ei-

nen Schritt weiter, kann man

heute schon frühzeitig erken-

nen, ob bei einer Person eine

Prädisposition für z. B. eine

chronische Krankheit vorliegt

und mit diesem Wissen auch

schon frühzeitig beginnen, ei-

ner möglichen Erkrankung

vorzubeugen.

Stärkefeld MedTech

Neben den „Hidden Champi-

ons“ – wenig bekannten Welt-

marktführern in spezialisier-

ten Branchen – gibt es auch

die andere Variante: bekann-

te Weltmarktführer, die eine

für sie unbekannte Branche

entdecken. So geschehen mit

den führenden Chip- und Lei-

terplatten-Herstellern

ams

und AT&S und dem Elektro-

nikfertiger SVI. Diese belie-

fern hauptsächlich die Mobil-

funk-Branche und die Auto-

mobilindustrie,

engagieren

sich aber seit einiger Zeit auch

stark im Medizintechnik-Sek-

tor, einem schnell wachsenden

Weltmarkt mit über 400 Mil-

liarden Euro Jahresumsatz.

Auch der wachsende Markt für

„Wearables“ – vom „intelligen-

ten Puls- und Blutdruckanaly-

sator“ bis zum „Diabetes-Che-

cker“ – bietet den Mikroelek­

tronikfirmen vor dem Hinter-

grund einer „alternden Gesell-

schaft“ riesige Chancen. Wenn

man bedenkt, dass heute in je-

dem zweiten Smartphone Sen-

soren „made in Styria“ verbaut

sind, kann man erahnen, wel-

che Chancen sich im Bereich

„medizinisches Monitoring“ in

den kommenden Jahren erge-

ben werden.

Für innovative Zulieferbetrie-

be bieten sich aber noch vie-

le weitere Möglichkeiten, erst-

mals mit Weltmarktführern

aus einer ganz anderen Bran-

che zusammenzuarbeiten. Kon-kretes Beispiel: der „medizi-

nische 3D-Druck“. Hier ko-

operiert HAGE, ein mittelgro-

ßer Betrieb aus Obdach, spe-

zialisiert auf die Fertigung

von Großmaschinen und An-

lagen, mit der chirurgischen

Abteilung der Universitätskli-

nik Graz und entwickelt pass-

genaue Schädelimplantate, die