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OLLEN

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styria 59

2016

Fotos: Pia Adlassnig

In Umlandgemeinden gibt es

da kaum Probleme. Für eine

Stadt wie Graz bräuchte man

aber eigene urbane Regeln,

wie in Wien oder Salzburg.

Gollenz:

Grundsätzlich ja,

aber dann könnte es noch

komplizierter werden. Ich

glaube eher, dass ich als Be-

hörde in Graz das Regelwerk

nicht so weitläufig sehen wür-

de. Am Land müssen die bei-

gezogenen Sachverständigen

sehr ins Detail gehen, weil die

Behörde – der Bürgermeister

– sich nicht so gut auskennen

kann. In Graz sitzen in der

Baubehörde perfekt ausgebil-

dete Juristen und Baupolizis-

ten, die wissen, worum es geht.

top of styria:

Grundsätzlich:

Mehr Klarheit oder mehr Spiel-

raum, was ist besser?

Gollenz:

Es gibt genug Spiel-

raum, aber ich muss ihn auch

nutzen, auch zum Wohle der

Bauwerber.

Ennemoser:

Als Baubehörde

mache ich das.

top of styria:

Also sind die Re-

gelwerke in Ordnung?

Gollenz:

Nein, sie sind nicht

in Ordnung. Sie sind teilweise

überbordend. Aber ich habe –

glaube ich – als Behörde schon

eine gewisse Bandbreite, in-

nerhalb derer ich entscheiden

kann.

Ennemoser:

In der Altstadt

würde ich mir aus Sicht des

Bauwerbers wünschen, dass

eine Vorauskunft bindend ist,

weil ich viel Geld in die Pla-

nung stecke – und dann wird

fallweise doch anders ent-

schieden. Und jeder Monat

bedeutet für den Bauwerber

Geld. Das ist für den Inves-

tor ein Unsicherheitsfaktor.

Ich bin im Grunde froh, dass

es für die Altstadt ein schüt-

zendes Regelwerk gibt, aber

als Planer hätte ich gerne Si-

cherheit. Ich möchte eine Vor­

anfrage machen, gut beraten

sein und danach planen kön-

nen.

top of styria:

Wichtig wäre es

also für alle Beteiligten, dass

von Anfang an klar ist, was

möglich und was nicht mög-

lich ist. Darüber gibt es ja Kon-

sens … warum ist das dann

nicht so?

Gollenz:

Weil es zwischen

Bauwerbern und der entschei-

denden Behörde Stellen gibt,

die da nicht mitspielen.

Ennemoser:

Das sind die bei-

gezogenen Sachverständigen.

Gollenz:

Die Behörde sollte

mehr Spielraum haben, selbst

zu entscheiden.

Ennemoser:

Das ist aber alles

im Gesetz geregelt.

Gollenz:

Nicht ganz.

Ennemoser:

Als Behörden-

leiterin bin ich froh, wenn

ich Unterlagen bekomme, die

vollständig sind, die zusam-

menpassen, die auch von den

Sachverständigen gleich be-

urteilt werden. Eines ist mir

auch wichtig: Für den Inves-

tor zählen natürlich die nutz-

baren Quadratmeter. Aber als

Luxus würde ichmir trotzdem

eine attraktive Außenfassade

bzw. Außengestaltung leisten.

In anderen Städten geht das ja

auch.

Gollenz:

Die Behörde könnte

dazu beitragen, indem sie das

Projekt so schnell genehmigt,

dass Geld dafür übrig bleibt.

#

„Als Bauwerber würde ich sagen,

dass mir die Auflagen zu viel sind.“

„Es dürfte gar nie passieren, dass

irgendetwas fehlt, wenn es klare

Richtlinien gibt.“