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styria
2013
Verantwortung Tragen
Foto: Katholische Aktion
D
ie letzte Finanz-
und in Folge die
Wirtschaf tskri-
se zeigen, wohin
unethisches Verhalten führen
kann, wenn nicht der Mensch
imMittelpunkt steht, sondern
die unbeschränkte Gier nach
Geld überhand nimmt, wenn
keine Grundwerte anerkannt
werden. In unserem konkre-
ten täglichen Wirtschaftsle-
ben ist jedenfalls persönli-
ches, moralisches und ethi-
sches Handeln gefordert. Die
persönliche Verantwortung
zur Umsetzung der Grund-
werte liegt bei den Führungs-
kräften – bei Politikern durch Gestaltung von globalen Rah-
menbedingungen – und lokal bei den Menschen in unseren Un-
ternehmungen, im Gewerbe, im Tourismus, in Kleinunterneh-
men wie in den Konzernen.
Welches sind nun diese Grundwerte, die einen fairen Interes-
sensausgleich zwischen allen Teilnehmern der Wirtschaft (al-
len “stake holdern“) schaffen sollen, also zwischen Kunden,
Mitarbeitern, Führungskräften, Eigentümern und der Umwelt
zum Frieden und zum Wohl der globalen Gesellschaft? Die Stif-
tung „Weltethos“ unter Prof. Hans Küng
(2)
formuliert einen mi-
nimalen Konsens bezüglich bindender Werte und ethischer
Haltungen, der von unterschiedlichen Religionen und von
Nichtgläubigen mitgetragen wird. In diesem Sinne werden die
Menschenrechte durch „Menschenpflichten“ ergänzt!
Allgemein anerkannt sind diese Werte:
•
Wahrung der Würde des Menschen
•
Solidarität und Gerechtigkeit, sozialer Ausgleich
•
Regel der Gegenseitigkeit: andere nur so zu behandeln,
wie wir selbst behandelt werden wollen
•
Ehrlichkeit und Vertrauen
•
Verantwortung übernehmen
Unternehmenskultur und auf
die Lebensqualität der Mit-
arbeiter, die damit im Team
auch hervorragende Leistun-
gen erbringen werden.
Die Kirchen in Österreich ha-
ben sich im Rahmen des öku-
menischen Rates in ihrem
Sozialwort um die Formulie-
rung solcher Werte bemüht
(3)
.
Sie sind sich der Verantwor-
tung für die Gesellschaft heu-
te sehr wohl bewusst. Der
Glaube ist nicht Privatsache!
Christen sind das Salz der
Erde. Die Katholische Aktion
erhebt in diesem Sinne ihre
Stimme in der Gesellschaft.
Sie vertritt Werte, die öko-
nomische und politische Re-
levanz haben. In christlicher
Sicht ist Arbeit nie nur als Er-
werbsarbeit zu verstehen. Ar-
beit ist vielmehr fundamen-
taler Teil der Würde des Men-
schen und ein wesentliches
Element der Selbstentfaltung
und ist in diesem Sinne auch
Kultur- und Weltgestaltung.
Was heißt also, anständig zu
wirtschaften – täglich? Einige
Stichworte sind:
•
Umfeld für eine Vereinbar-
keit von Beruf und Familie
schaffen
•
Umgang mit Mitarbeitern
auf Basis der Gegenseitig-
keit gestalten
•
Offen sein für Argumen-
•
Freiheit für Bildung und
zur Ausübung der je per-
sönlichen Talente
Die christlichen Religionen
leiten diese Grundwerte aus
der Bibel – besonders in den
10 Geboten und von der Berg-
predigt – ab. Der Mensch als
Abbild Gottes ist sein aus Lie-
be geschaffenes Wesen, wo-
bei alle gleich geliebt werden.
Solidarität und Gerechtigkeit,
Menschenwürde und Ehr-
lichkeit lassen sich davon ab-
leiten und um die Barmher-
zigkeit ergänzen.
Wesentlich für mich war im-
mer die Regel der Gegensei-
tigkeit, der Bergpredigt als
Goldene Regel entnommen:
„Alles was ihr von anderen
erwartet, das tut auch ihnen“
(Mt. 7,12), oder bekannter die
Aufforderung: „Liebe Deinen
Nächsten wie Dich selbst“.
Leistungsanspruch und Stre-
ben nach Erfolg sind damit
nicht abgewertet. Das einzel-
ne Unternehmen muss erfolg-
reich sein und seine Arbeits-
plätze nachhaltig absichern.
In der Bibel heißt es ja auch:
„Du sollst Deine Talente nicht
vergraben!“
Ethik, insbesondere christli-
che Ethik, die von Führungs-
kräften gelebt wird, hat einen
wesentlichen Einfluss auf die
Anständig wirtschaften
(1)
heißt: Gesunde Unternehmen
erfolgreich zu führen, sollte mit ehrlichem und anständi-
gem Verhalten vereinbar sein!
„Anständig“ wirtschaften?
Bernhard Rebernik