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styria
2013
Verantwortung Tragen
wird man möglicherweise nur auf die-
ser eher vagen Ebene antworten können.
Denn auch das zeigen ja einige Studien.
Der betriebene Sicherheitsaufwand ent-
spricht oft nicht der „objektiven“ Gefahr.
So gibt es U-Bahn-Stationen in München,
die von den Nutzern als gefährlich ein-
gestuft werden, obwohl die „objektive“
Gefahrenlage gleich null ist. Subjekti-
ve und objektive Gefahreneinschätzun-
gen divergieren bisweilen dramatisch.
Die massive Präsenz von Sicherheitsap-
paraten könnte das, was man in der Phi-
losophie manchmal als „basales Sicher-
heitsempfinden“ bezeichnet, stören oder
sogar zerstören. Kameras beispielsweise
erzeugen dann eine schwer beschreibba-
re Atmosphäre permanenter latenter Ge-
fährdung, die, wenn die erwähnten Stu-
dien recht haben, zwar nicht dazu führt,
dass wir alle anderen für potenzielle
Verbrecher oder Terroristen halten, aber
doch dazu, dass der öffentliche Raum
(und nun auch zunehmend der private
Raum) als Quelle der Gefahr gleichsam
einen anderen emotionalen Anstrich er-
hält. „Warum steht dieser Koffer da al-
lein?“, „Sieht der Mann dort nicht wie
ein Islamist aus?“ – das, was Sicherheits-
empfinden ausmacht, sind oft kleine De-
tails, die unter dem Eindruck eines nied-
rigschwelligen
Sicherheitsempfindens
leicht aufgebläht werden. Es könnte sein,
dass moderne Sicherheitstechniken ge-
rade aufgrund ihres oft versteckten Cha-
rakters zu einer solchen Atmosphäre la-
tenter Bedrohung beitragen, so dass man
zwischen einem (scheinbar wachsenden)
Oberflächenvertrauen und einem (zu-
nehmend weniger vorhandenen) Tiefen-
vertrauen sprechen kann. Geht damit
etwas verloren? Wir reden oft von der
Verletzung von Rechten auf Privatheit
durch einen allzu überwachungsfreu-
digen Staat, aber was eben etwas unbe-
holfen beschrieben wurde, erfasst etwas
anderes, nämlich die lebensweltlich-at-
mosphärische Basis der überraschend
breiten Akzeptanz dieser Überwachung.
Wie können wir diesen Verlust des basa-
len Sicherheitsempfindens problemati-
sieren? In der Sprache der Rechte? Wohl
kaum. Die Philosophie muss hier, so die
Vermutung, eine kritische Sprache
»
Illustration: Wolfgang Uranitsch, „Bel Air“, 1998, 107x272cm, Acryl/Steelsheet
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