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2013
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Seiten und spricht nur noch sich selbst
die Fähigkeit zu, die Frage nach dem an-
gemessenen Umgang mit dem geschenk-
ten Vertrauen zu beantworten. In gera-
dezu performativer Selbstwidersprüch-
lichkeit aber zerstört diese Praxis das
Vertrauen, um das es angeblich geht und
das immer auch darauf zielen muss, die
Ausübung der Macht demokratisch zu
kontrollieren. Für die Bürger heißt das:
Vertraue nicht dem, der sich weigert, die
Bedingungen des Vertrauens regelmäßig
prüfen zu lassen. Oder: Das Vertrauen,
das der Regierung unter demokratischen
Bedingungen geschenkt wird, impliziert
ein Zutrauen in die Urteilskraft der Ver-
trauensgeber. Fehlt es, verliert das Ver-
trauen seine Berechtigung.
Das Vertrauen der
Bürger untereinander
Wie steht es um das Vertrauen der Bür-
ger untereinander? Oft wird gesagt, eine
allgemeine Überwachung mache jeden
verdächtig und untergrabe somit auch
das, was man bürgerschaftliches Ver-
Verantwortung Tragen
trauen nennen kann. Wenn jeder poten-
ziell gefährlich sein kann (warum soll-
te sonst jeder überwacht werden?), dann
kann man vielleicht niemandem mehr
vertrauen. Ob dieser radikale zivilgesell-
schaftliche Einstellungswandel sich tat-
sächlich vollzieht, ist eine empirische
Frage, die sich philosophisch kaum klä-
ren lässt. Was man als „Klima“ des Ver-
trauens oder Misstrauens bezeichnen
kann, lässt sich ungemein schwer mes-
sen, am Ende kommt die quantitative
Umfrageforschung, die naturgemäß ihre
eigenen Probleme mit sich bringt, diesem
Phänomen noch am nächsten. Nimmt
man das Beispielfeld des öffentlichen
Nahverkehrs, dann scheint sich unter
dem Eindruck spektakulärer und mas-
siv medialisierter Gewaltverbrechen die
Bereitschaft zur verstärkten Akzeptanz
von Überwachungsmaßnahmen enorm
erhöht zu haben. Dieser Punkt darf nicht
unterschätzt werden, auch wenn kriti-
sche Gesellschaftstheorien jeder Couleur
nichts davon hören wollen. Man könn-
te sogar sagen, dass sich etwa durch den
verstärkten Einsatz von Überwachungs-
kameras das Vertrauen in die Sicher-
heit des öffentlichen Nahverkehrs deut-
lich verbessert hat. Auch mit Blick auf
die Überwachung des Datenverkehrs
im Internet hört man häufig Sätze wie
„Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts
zu verlieren“. Wie soll man umgehen mit
dieser scheinbar doch recht breiten Ak-
zeptanz massiver öffentlicher und pri-
vater Überwachung? Ist es nicht doch
ein erheblicher Unterschied, ob ich
über einen öffentlichen Platz gehe, weil
ich auf den zivilen Umgang der Men-
schen vertraue, oder ob ich es tue, weil
ich weiß, dass Übergriffe schnell poli-
zeilich erfasst werden können und da-
durch (angeblich) unterbleiben? Verän-
dert die Anwesenheit einer Kamera viel-
leicht sogar mein Vertrauen in das all-
gemeine Zivilitätsniveau? Kann ich an-
deren mit Kamera noch so vertrauen
wie ohne Kamera? Dies sind echte und
keine rhetorischen Fragen. Wenn eben
von einem „Klima“ des Vertrauens oder
Misstrauens gesprochen wurde, dann
was uns bewegt.
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